Bahn baut Bahnhofstür zu – und das mit voller Absicht

Kein Ausgang: Diese Tür würde nach außen öffnen. Doch da ist der Bahnsteig angehoben worden.
Kein Ausgang: Diese Tür würde nach außen öffnen. Doch da ist der Bahnsteig angehoben worden.
Foto: @BahnAnsagen/Sebastian Schwänen
Es ist ein Foto, das zum Lästern einlädt. Doch in Bad Bentheim erklären Offizielle, wieso eine zugebaute Bahnhofstür so gewollt ist.

Bad Bentheim.. Reisende im IC von Amsterdam nach Berlin können aktuell mit einem Blick aus dem Fenster eine besondere Attraktion erhaschen. Im niedersächsischen Bad Bentheim gibt es Deutschlands vermeintlich peinlichste Baustelle nach dem Flughafen Berlin. Der Bahnsteig ist um rund 35 Zentimeter angehoben worden – vor die Tür zum Bahnhof. „Kein Schildbürgerstreich“, heißt es aus der Stadt in Niedersachsen. Und die Erklärung klingt sogar einleuchtend.

Am Bahnhof in Bad Bentheim wird gebaut, das freut alle dort, beim ersten Spatenstich hatte auch der niedersächsische Verkehrsminister Olaf Lies geholfen. Doch was eigentlich ein barrierefreier Zugang in die Züge sein sollte, ist nun eine kuriose Barriere: Die Türschwelle liegt nach der Anhebung des Bodens jetzt etwa 30 Zentimeter unter der Bahnsteigoberfläche. Und weil die Tür nach außen öffnet, ist der Zugang zum Bahnhofs versperrt.

Hohn und Spott sind groß, nachdem ein Bild verbreitet wurde von „Bahn-Ansagen“, einem Twitter- und Facebookaccount, der Kurioses rund um die Bahn veröffentlicht. Was ist da passiert?

Bahn: „Tür hat keine Funktion“

Die Deutsche Bahn antwortet knapp: Sie erneuert Bahnsteige in Bad Bentheim, baut unter anderem einen Aufzug neu – und das Bahnhofsgebäude gehört ihr nicht. Alle Arbeiten seien aber mit der Stadt abgestimmt. Die Tür habe keine Funktion. Das beschreibt zumindest den aktuellen Status der Tür sehr genau. Den Ein- und Ausgang kann keiner nutzen.

Doch Reisende sollen künftig wieder auf diesem Weg aus dem Bahnhof auf den Bahnsteig gelangen können, erläutert ein Mitarbeiter der Bentheimer Eisenbahn AG, die in die Bahnhofsumgestaltung eng eingebunden ist. „Aber manchmal muss etwas schlechter werden, bevor es besser werden kann.“ Die aktuelle Situation sehe doof aus, sie sei aber im Vorfeld so besprochen worden. „Das ist kein Schildbürgerstreich, das ist die beste Lösung.“

Denn: Auch der Bahnhofsvorplatz und der Boden des Bahnhofsgebäudes sollen bei der auf fast 5 Millionen Euro veranschlagte Umgestaltung entsprechend angepasst werden. Dann wird es auch neue Türen geben – in der richtigen Höhe. Für den Umbau des Bahnhofs liegen aber nötige Bescheide noch nicht vor. Doch die Vorbereitungen liefen bereits, „im Bahnhof ist auch nichts mehr außer dem Reisecenter der Bahn.“

„Das wird eine schicke Sache“

Als Alternative für die Bauphase hätte man vor die nun blockierte Tür eine Rampe bauen können. Das sei verworfen worden, weil es für wenige Monate mit zusätzlichen Kosten verbunden gewesen wäre und die Bahn dann keine Gewährleistung übernehmen würde.

Bei der Bentheimer Eisenbahn AG zumindest sind sie sich sicher: In einem Jahr werde das „eine ganz schicke Sache“ sein. Wieder was zu Schauen für die Reisenden im IC von Amsterdam nach Berlin.

 
 

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