ARD zeigt Themenabend zum Oktoberfest-Attentat von 1980

Ulrich Chaussy (Benno Fürmann) recherchiert.
Ulrich Chaussy (Benno Fürmann) recherchiert.
Foto: BR/diwa Film/Markus S. Thiel
Die ARD bittet am Mittwoch zum Themen-Abend. Erst zeigt sie „Der blinde Fleck“ mit Benno Fürmann. Danach folgt eine Doku, die Neues präsentiert.

München.. „Der blinde Fleck“ erwies sich für Arte im vorigen Oktober als Glücksfall. Der Spielfilm über das Münchner Oktoberfest-Attentat von 1980 löste nicht nur eine neue Debatte über rechtsextremistische Umtriebe in der Bundesrepublik aus. Vielmehr setzte der Film von Ulrich Chaussy und Daniel Harrich neue Ermittlungen von höchster Stelle in Gang. So etwas gelingt Geschichtsfernsehen selten, ganz selten. Heute strahlt das Erste den historisch grundierten Polit-Thriller von Benno Fürmann erneut aus. Obendrein folgt, direkt im Anschluss, eine Doku, ebenfalls von Chaussy und Harrich, die neue Fakten bietet.

Rückblende. Beim Anschlag auf das Oktoberfest am 26. September werden 13 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt. Unter den Toten befindet sich ein junger Neo-Nazi namens Gundolf Köhler. Er wird recht bald von Bayerns Behörden als Einzeltäter präsentiert.

Die Behörden bleiben bei ihrer Version

Chaussy, damals Reporter des Bayerischen Rundfunks, hat Zweifel. So wird beispielsweise am Tatort Theresienwiese eine menschliche Hand gefunden, die niemandem zugeordnet werden kann. Chaussy vermutet Hintermänner im rechten Milieu. Der Redakteur steht in Verbindung zu dem Opfer-Anwalt Werner Dietrich und zu einem Informanten, der sich Meier nennt.

Die Behörden bleiben bei ihrer Version. Generalbundesanwalt Kurt Rebmann erklärt 1984 den Fall kurzerhand für aufgeklärt.

Chaussy – bedroht und beschattet – gibt vorübergehend auf, bis ihn seine Frau 2006 ermuntert, seine Recherchen wieder aufzunehmen.

Filmemacher hofft auf neue Zeugen

Der konventionell inszenierte Thriller setzt auf die Brisanz der Fakten. Zudem setzt der Film auf die Strahlkraft eines Star-Ensembles, allen voran Grimme-Preisträger Benno Fürmann. Für den 43-Jährigen war das Projekt Herzenssache. Er habe Chaussy vor dem Dreh „sehr gerne getroffen“, sagte der Berliner auf Anfrage. Für ihn ist der hartnäckige Fakten-Sammler „ein investigativer Journalist, wie er im Buche steht“. Leute wie Chaussy brauche die Demokratie „noch immer sehr dringend“.

Der Journalist selbst wartet in der Doku „Attentäter – Einzeltäter? Neues zum Oktoberfestattentat“ mit einer Zeugin auf, die sich erst kürzlich gemeldet hat. Demnach meldete sich kurz nach dem Anschlag in München in einem Hannoveraner Krankenhaus ein junger Mann, der eine Hand verloren hatte. Wie das passiert sei, habe er nicht sagen wollen. Der Patient sei weder von Angehörigen begleitet noch besucht worden, zitierte Chaussy die Frau, die damals in der Klinik als Krankenschwester gearbeitet habe. Noch vor Ende der Behandlung sei der Patient verschwunden. Chaussy: „Die Zeugin wirkt absolut vertrauenswürdig.“

Chaussy hofft, dass der Themenabend weitere Zeugen ermutigt, sich zu melden. Möglich ist das im Internet auf einer Seite des Bayerischen Rundfunks: „oktoberfest-attentat@br.de“. Zeugen können sich aber auch direkt an Generalbundesanwalt Harald Range („poststelle@generalbundesanwalt.de“) wenden. Er nahm die Ermittlungen im Dezember wieder auf. „Der blinde Fleck“, ARD, 20.15 Uhr; „Attentäter – Einzeltäter?“, ARD, 21.45 Uhr.

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