ARD-Themenwoche zur Toleranz entfacht Sturm der Entrüstung

Dieses Plakat zur ARD-Themenwoche sorgt im Netz für wütende Reaktionen.
Dieses Plakat zur ARD-Themenwoche sorgt im Netz für wütende Reaktionen.
Foto: Funke Mediengruppe
"Anders als du denkst". Mit diesem Slogan bewirbt die ARD ihre "Themenwoche Toleranz". Dabei vergreift sich der Sender anscheinend ziemlich im Ton. Kritiker bemängeln ein rückständiges Menschenbild. Twitterer übergießen die Macher der Themenwoche deshalb mit Spott und Ärger.

Essen. Ein Werbeplakat zeigt einen schwarzer Mann, dazu die Frage "Belastung oder Bereicherung?". Ein anderes Bild zeigt ein offenbar schwules Paar und stellt die Frage: "Normal oder nicht normal?". Es sind Motive wie diese, mit denen die ARD sich die Wut der Netzgemeinde zugezogen hat. Die Bilder gehören zu einer Kampagne, mit der die ARD ihre "Themenwoche Toleranz" bewirbt. Im Rahmen dieser Themenwoche sollen vom 15. bis zum 21. November Spielfilme, Reportagen und Dokumentationen zum Thema Toleranz gezeigt werden. Kritiker halten die Kampagne indes für besonders intolerant.

"Die ARD-Themenwoche ist ja ein Reinfall, wenn man sich mal die Plakatsprache und die Aussage darauf anguckt, kritisiert Julia Probst via Twitter. "Bin ich intolerant, wenn ich die ARD-Themenwoche fragwürdig finde?", fragt sich Alexander Vogel. Und Holger Hinz spottet: "Wenn alle Menschen gesund, weiß, hetero, christlich und erwachsen wären, bräuchten wir also keine Toleranz. Soso..."

Ist Florian Silbereisen normal?

Mit alternativen Werbeplakaten spotten die Kritiker über die Aktion der ARD. Auf den alternativen Plakaten sind etwa die beiden Schlagerstars Florian Silbereisen und Helene Fischer zu sehen. Dazu der Slogan: "Normal oder nicht normal?" Ein anderes Motiv zeigt ARD-Talkmaster Günter Jauch neben dem Satz: "Belastung oder Bereicherung?"

Für besonders großen Unmut sorgt auch das Programm der Themenwoche, insbesondere eine geplante Talkshow des Hessischen Rundfunks mit dem Titel "Was müssen wir uns gefallen lassen - was nicht?" Im Ankündigungstext zur Sendung heißt es: "Ist sich das knutschende schwule Paar in der U-Bahn eigentlich bewusst, wie viel Toleranz es seinen Mitreisenden abverlangt?". An anderer Stelle behauptet der Hessische Rundfunk, dass Toleranz etwas sei, "was die Mehrheit der Minderheit gewährt."

Ist die Kritik angekommen?

"Klar: Wer Toleranz zeigt, provoziert damit Intoleranz. Und Schule und Muslime machen uns allen das Leben schwer. Fail", wettert der Grünen-Europapolitiker Jan Philipp Albrecht. Die Tageszeitung "taz" wirft der ARD sogar vor, mit "rassistischen Wahrnehmungsmustern" zu spielen. Nach der massiven Kritik versuchen die Macher der Themenwoche nun, die Wogen zu glätten.

"Eure Kritik ist angekommen. Die Ankündigung zur horizonte-Sendung ist provokant formuliert, sollte aber niemanden diskreditieren", schreibt der Hessische Rundfunk auf Twitter. Mittlerweile hat der Sender ein ausführliches Statement abgegeben. Darin heißt es, dass man die Diskussion "begrüße", da sie ganz im Sinne der "Themenwoche Toleranz" sei. Man habe die Fragen auf den Ankündigungsplakaten "bewusst zugespitzt".Mit den kritisierten Motiven habe man "eine produktive und nach vorn gerichtete Diskussion" erreichen wollen. Den umstrittenen Text zur Talkshow hat der Sender aber nicht geändert.

Grüne sprechen von "Diskriminierungs-Themenspecial"

An einer Entschuldigung versucht sich auch der Twitter-Account der ARD-Themenwoche: "Gut: Plakat-Aktion sorgt für Aufmerksamkeit. Weniger gut: Motiv soll zwar provozieren, aber nicht verletzen." Zunächst konnte das die Gemüter der Netzgemeinde aber nicht beruhigen.

Der Grünen-Politiker Volker Beck forderte nun Konsequenzen: "Ich erwarte von der ARD ein Überdenken ihres Diskriminierungs-Themenspecials", sagte er der Online-Ausgabe des Handelsblatts. "Die öffentlich-rechtlichen Medien verlassen ihren gesetzlichen Auftrag, wenn sie Minderheiten in ihrer Existenz in Frage stellen." (we)

 
 

EURE FAVORITEN