Arbeitsloser hungert sich auf Hochsitz zu Tode

DerWesten

Northeim. Er war arbeitslos und allein. 24 Tage harrte ein Mann auf einem Hochsitz im Weserbergland aus. Jagdpächter fanden seine abgemagerte Leiche. Daneben lag ein Tagebuch, in dem er über seine letzten Tage und Stunden schreibt.

Es handele sich um einen Selbstmord, sagte ein Sprecher der Northeimer Polizei am Dienstag und bestätigte damit einen Bericht der «Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen». Jagdpächter, die die marode Holzleiter des Hochsitzes reparieren wollten, hatten bereits am Freitag die mumifizierte Leiche des Manns gefunden. Neben ihm lag demnach eine Art Tagebuch, ein DIN-A5-Heft mit dunkelblauem Einband, dessen letzter Eintrag vom 13. Dezember 2007 datiert.

Arbeit und Kontakt zur Familie verloren

Der Mann habe den Aufzeichnungen zufolge nach dem Scheitern seiner Ehe sowohl den Kontakt zu seiner Tochter als auch später seine Arbeit verloren, berichtete die Zeitung. Nachdem er ab Oktober 2007 kein Arbeitslosengeld mehr bekam, habe er sich das Waldstück bei Uslar im Mittelgebirge Solling (Weserbergland) als Platz zum Sterben ausgesucht - wegen einer früheren Außendienst-Tätigkeit habe er die Region wohl gut gekannt. 24 Tage lang habe der 58-Jährige nichts gegessen und nur ab und zu etwas Wasser getrunken. Seine abgemagerte Leiche lag demnach auf dem Rücken auf einer Matratze, die Hände entspannt über dem Kopf. Das Tagebuch vermachte der Mann seiner Tochter. (afp)