Anselm Grün und sein neues Buch „Sag mal, Onkel Willi“

Der Benediktiner Mönch Anselm Grün mit seiner Nichte Andrea Larson. Die beiden haben aus ihrer Korrospondenz ein Buch mit dem Titel „Sag mal Onkel Willi“ gemacht.
Der Benediktiner Mönch Anselm Grün mit seiner Nichte Andrea Larson. Die beiden haben aus ihrer Korrospondenz ein Buch mit dem Titel „Sag mal Onkel Willi“ gemacht.
Foto: Kai Kitschenberg/WAZFotoPool
Der bekannte Benediktiner und Autor Anselm Grün hat ein neues Buch geschrieben.„Sag mal, Onkel Willi“ (Adeo, 192 S., 16,99 Euro) hat er zusammen mit seiner Nichte Andrea Larson herausgebracht. Er will es verstanden wissen als Dialog zwischen Neuer und alter (Kloster-)Welt.

Düsseldorf.. Ganz weißbärtige Weisheit, das ist Pater Anselm Grün für Millionen seiner Leser. Einer der bekanntesten Geistlichen unserer Zeit, Mönch, Moralist, Managertrainer im schwarzen Habit, einer, der kluge Bücher schreibt über Gott, das Leben und die Liebe. Doch da gibt es eine, auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans, für die ist Dr. Grün der „Onkel Willi“.

Und Andrea J. Larson, diese Nichte also, hatte da mal ein paar Fragen. Große Fragen, über Glauben und Zweifel, über Liebe, Beziehung, Einsamkeit; sie wollte, gesteht die 35-Jährige, den Onkel (69) ein bisschen aus dem Konzept bringen. Was aber passierte im Laufe eines langen Briefwechsels, den man heutzutage ja als Mailverkehr führt, ist: Andrea hinterfragte sich selbst, und Anselm entdeckte bei der Tochter seiner Schwester neue, ungeahnte Antworten. Entstanden ist daraus ein Buch, privater wohl als die mehr als 300 vorherigen aus der Feder Grüns: „Sag mal, Onkel Willi“ (Adeo, 192 S., 16,99 Euro) ist ein Gespräch zwischen Mönch und Mutter, ein Dialog zwischen Neuer und alter (Kloster-)Welt.

Älterer Herr mit Rauschebart

Hier dieser bedächtige ältere Herr mit dem Rauschebart, dort die schlanke Blondgelockte – ein Unterschied so riesig wie der große Teich, der zwischen diesen beiden liegt? Mitnichten. „Wir sind uns nicht unähnlich“, stellt Andrea Larson in ihrer letzten Mail erstaunt fest. Sie, die in Amerika die große Freiheit suchte und im Leben mit drei Kindern und in einer Partnerschaft Begrenzungen erfährt. Er, der sich schon als Jugendlicher für ein Leben hinter Klostermauern und nach christlichen Geboten entschied und darin die große Freiheit fand.

„Beide suchen wir nach dem Wesentlichen, wollen Brücken bauen, Liebe verbreiten und durch all dies letztlich uns selbst finden“, schreibt die Nichte, nur seien die Perspektiven andere, sagt sie im Gespräch: „Ich bin eher geerdet.“ Du, Onkel Willi, der als Mönch den Namen Anselm wählte, „bist eher im Himmel.“ Sie haben sich in der Mitte getroffen, finden sie und müssen lachen über diesen Gedanken.

Es ist ja doch so: Grün hat immer schon Mensch bleiben wollen und nicht abheben in seiner Theologie, man hat ihm das durchaus vorgeworfen in strengen Katholikenkreisen. Es war da nur der Drang in ihm, hat er mal gesagt, „die Welt zu verändern, zu verbessern, die christliche Botschaft überallhin zu tragen“. Ein Missionar will er trotzdem nicht sein, zumal: „Ich bin auch als Mönch einer aus der Familie Grün.“ Und: „In jedem Mann steckt ein Mönch und auch ein Vater.“ Er hat Andreas Kinder getauft, aber erwartet nicht von ihnen, dass sie auch an Gott glauben.

Nicht auf alle ihre Fragen hatteder Theologe eine Antwort

Wobei sie sagt: Das Reden mit dem Onkel habe sie Gott nähergebracht. Wie nah? „Wenn christlich sein heißt, jeden Sonntag in die Kirche zu gehen, nein.“ Aber „man kann total christlich leben, ohne zu beten. Wenn man im Umgang mit anderen Menschen menschlich ist.“ Die Werte sind es für Andrea J. Larson, die auch der Onkel ihr vermittelt: Moral, Ehrlichkeit, Authentizität, Fairness. Sagt sie, er lächelt gütig und freut sich, „wenn sie sich von dem, was ich denke, angesprochen fühlt“.

Denn selbst der Theologe hat ihr nicht auf alles eine Antwort geben können: „Ich weiß nicht, warum so viel Leid in der Welt ist.“ Und er hat jetzt über ungewohnte Dinge nachzudenken: die Lust und Last eines Familienlebens und die Frage, ob er nicht gerade den Lebenstraum seines eigenen Vaters lebt? Es hat Anselm Grün überrascht, was seine Nichte zu sagen und zu fragen hatte. Als alles fertig war, hat der Pater das ganze Gespräch noch einmal gelesen. „Es ist persönlicher als meine bisherigen Bücher. Und viel spritziger.“ Hat ihm gefallen.

 
 

EURE FAVORITEN