Anonymous erklärt IS den Krieg – und kämpft schon längst

Ein Mitglied von Anoymous in der Videobotschaft an die Terrormiliz.. Im Hintergrund zu sehen sind Nachrichtenbilder von der Terrornacht.
Ein Mitglied von Anoymous in der Videobotschaft an die Terrormiliz.. Im Hintergrund zu sehen sind Nachrichtenbilder von der Terrornacht.
Foto: Anonymous
Anonymous erklärt dem IS in einem Video nach den Terrorangriffen den Krieg. Der Kampf im Netz wird aber schon lange geführt.

Paris. Mit einem martialisch anmutenden Video richtet sich das Hackerkollektiv Anonymous an die Terrormiliz IS: „Diese Attentate können nicht ungestraft bleiben“, heißt es in der Botschaft, die eine Computerstimme in französischer Sprache spricht.

In dem mit dramatischer Musik unterlegten Video heißt es: „Wir werden euch finden, wir werden nicht aufhören. Wir werden die wichtigste Operation gegen euch starten, die je gegen euch geführt wurde. Der Krieg hat begonnen.“ In Teilen ist das nur Show – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit führt Anoymous den Kampf längst.

Bereits nach dem Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo hatte Anonymous die #OpISIS gestartet – und dabei Worten Taten Folgen lassen. Die wichtigsten Propagandaseiten der Terrormiliz sind seither oft für längere Zeit nicht erreichbar, weil sie Angriffen von Anonymous nicht standhalten. Wie die Seite „Foreign Policy“ berichtet, wurden in den ersten neun Monaten nach den Attentaten von Januar 149 Seiten zerschossen, die dem islamischen Staat zuzurechnen waren. Aber auch in den Netzwerken fahnden die Aktivisten nach Profilen, die den Terror predigen: Mehr als 100.000 Twitterkonten und etwa 5900 Propagandavideos wurden aufgespürt und den Netzwerken massenhaft zur Löschung gemeldet. Twitter gilt als wichtigster Kanal für die Dschihadisten.

Im Einsatz sind dabei nicht nur Jugendliche, die lange das Bild von Anonymous prägten. Dem anarchischen Kampf im Netz sollen sich erfahrene, ehemalige militärische oder Sicherheitsspezialisten angeschlossen haben. Und neben Anonymous gibt es die Gruppe GhostSec („Wir sind die Geister, die ihr geschaffen habt“), die ebenfalls das Netz nach IS-Informationen durchforstet. GhostSec zählt sich nicht zu Anonymous, es gibt aber Verbindungen und Austausch. Mit Hinweise der Netzaktivisten sollen bereits Terrorpläne vereitelt worden sein.

Der Anti-Terror-Kampf von Anonymous bedeutet zugleich in Teilen einen Bruch mit den ursprünglichen Idealen: Anonymous stand ein für das bedingungslose Recht auf freies Internet. (law)

 
 

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