„Anne Will“ in der ARD: Streit um Abgaswerte - Wissenschaftler greift Kritiker im TV an

Bei Anne Will kam es zur hitzigen Diskussion zwischen zwei Wissenschaftlern.
Bei Anne Will kam es zur hitzigen Diskussion zwischen zwei Wissenschaftlern.
Foto: Das Erste

Über 100 Lungenärzte haben mit ihrer Kritik an den Schadstoff-Grenzwerten neuen Zündstoff in der Diskussion um Diesel-Fahrverbote geliefert. Der Streit um die Abgaswerte war am Sonntagabend Thema bei „Anne Will“ in der ARD. Die Sendung wurde schnell zum hitzigen Duell zweier Wissenschaftler, deren Meinungen unterschiedlicher nicht sein können.

Da war auf der einen Seite Dieter Köhler, Facharzt für Lungenheilkunde, ehemaliger Präsident der Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, der mit über 100 Kollegen die Zweifel an den Grenzwerten für Stickoxide geäußert hatte.

„Anne Will“ in der ARD: Streit zweier Wissenschaftler

Ihm gegenüber Heinz-Erich Wichmann, Epidemiologe, ehemaliger Direktor des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München. Der Experte für die Ausbreitung von Krankheiten ist einer der Wissenschaftler, der die von der WHO empfohlenen Grenzwerte für Stickoxide in der Luft erarbeitet hat.

Weil der derzeitige Richtwert von 40 Mikrogramm pro Liter Luft im Jahresmittel, der von der EU als Grenzwert verpflichtend eingeführt wurde, in vielen deutschen Städten nicht eingehalten wird, drohen Fahrverbote oder wurden bereits eingeführt.

Vergleich mit Störchen und Kindern

Für Dieter Köhler gibt keine wissenschaftliche Begründung für diesen Grenzwert, er fordert eine Neubewertung der wissenschaftlichen Studien durch unabhängige Forscher und wirft den Wissenschaftlern wie Wichmann vor, nicht unabhängig geforscht zu haben.

„Die Epidemiologen zeigen ja nur, da ist ein Verdacht“, sagt Köhler, nachdem er sein Wissen über das Thema zunächst mit jeder Menge Eigenlob begründet hat. Er vergleicht die Annahmen der Forscher mit der Annahme, dass Störche Kinder bringen. Harte Worte, die Wichmann nicht auf sich sitzen lassen wollte.

„Völliger Außenseiter“

Er bezeichnet die Position der 100 Lungenärzte als „Minderheitsmeinung“. Der Bundesverband der Pneumologen habe geäußert, es sei befremdlich, „dass 100 unserer Kollegen in dieser Weise den Schutz der Gesundheit vor Luftschadsstoffen so diskreditieren".

Er fasst seine persönliche Kritik zusammen: „Herr Köhler ist ein völliger Außenseiter und hat mit seiner Position überhaupt nicht den Rückhalt in der Lungenforschung in Deutschland und International."

Der wehrt sich und nennt die Grenzwerte völlig unplausibel.

„Wissenschaftlicher Exot“

Doch Wichmann legte nach: „Die Gesundheitseffekte durch Feinstaub sind ganz gewaltig.“, widerspricht Wichmann. „Es ist zu erwarten, dass beim Feinstaub eine Verschärfung erforderlich ist.“ Es sei noch klarer geworden, wie sehr der Feinstaub dem Menschen schadet.

Gegenüber Köhler legte der Epidemiologe noch eine Schüppe drauf: „Sie sind ein wissenschaftlicher Exot, denn solchen Unfug, werden Sie von niemandem, der sich ernsthaft mit solchen Fragen beschäftigt, unterschrieben bekommen. (jg)

 
 

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