Anna Loos als Streetworkerin in "Mord in den Dünen"

Lisa (Anna Loos) entdeckt auf einer Bank in den Dünen einen frisch eingeritzten Pfeil und die Worte „Tua Culpa"
Lisa (Anna Loos) entdeckt auf einer Bank in den Dünen einen frisch eingeritzten Pfeil und die Worte „Tua Culpa"
Foto: Conny Klein
"Mord in den Dünen" heißt der ZDF-Krimi am Montagabend. Und auch wenn der Titel nach inhaltsarmem Regionalkrimi klingt: Der Streifen hat es in sich. Das liegt auch an der Hauptdarstellerin: Anna Loos brilliert als Berliner Streetworkerin, gesegnet mit workoholischem Idealismus.

Mainz.. Der Titel klingt wie eine Drohung. „Mord in den Dünen“, Montag, ZDF, 20.15 Uhr, weckt Erinnerungen an die ebenso quotenstarken wie inhaltsschwachen Regionalkrimis mit Schmunzel-Versprechen, die kaum mehr sind als modernes Bauerntheater, mit bräsigen Bullen und depperten Dörflern. Allein, der Schein trügt.

Anna Loos spielt mit eindringlicher Glaubwürdigkeit die Berliner Streetworkerin Lisa Hirth, mit workoholischem Idealismus und der melancholischen Gewissheit, öfter zu scheitern als zu gewinnen. Ausreißermädchen Pia (Problemkind vom Dienst: Michelle Barthel) führt der Sozialarbeiterin die Tristesse ihrer Sisyphosarbeit – wieder einmal – vor Augen. Die Spur der 16-Jährigen führt auf den Darß, eine Ostsee-Halbinsel bei Rostock. Doch die Spur wirft mehr Fragen auf, als sie Antworten gibt. Auf Lisas Mailbox ist ein 70er-Hit der Jackson Five zu hören, Musik, die, wie Lisa hellsichtig feststellt, für die meisten Jugendlichen so weit weg ist „wie Mozart“.

Vieles deutet darauf hin, dass das Mädchen entführt wurde. Wichtiger jedoch ist die Frage: Lebt Pia noch?

Bedrohliche Atmosphäre

Der Film des renommierten Duos Tim Trageser (Regie) und Johannes Betz (Buch) sammelt schon dadurch Pluspunkte ein, dass er der Verlockung widersteht, dem Moloch Metropole ein Küstenidyll entgegenzusetzen. Im Ge­genteil: Der Darß mit seinem Urwald, der hier ganz wörtlich zu nehmen ist, ist mindestens genauso unheimlich wie der Großstadtdschungel. Nachtszenen und Dämmerungsbilder, unterlegt von düster dräuender Musik, schaffen eine bedrohliche Atmosphäre. Doch wer kann Licht werfen in die Schattenseiten menschlicher Beziehungen?

Die örtliche Polizei, so scheint es zunächst, sicher nicht. Behördenchef Erichsen (leider nur eine Landpolizistenkarikatur: Michael Hannemann) sieht in Ermittlungen so etwas wie Ruhestörung. Sein junger Kollege Enno (Wanja Mues) hingegen bietet der Sozialarbeiterin Hilfe an. Recht bald erfährt der Zuschauer, dass die beiden in Jugendjahren in den Ferien mal miteinander geflirtet haben. War er es?

Der schillernde, beinahe schmierige Polizeipsychologe Dominik Hofer (brillant: Karl Markovics) konzentriert sich bei seiner Arbeit weniger auf die Opfer als auf die Sozialarbeiterin. Er wirkt ebenso überheblich wie unterkühlt, ja zynisch. Doch durch seine provokante Art wird offenbar, dass insgesamt sieben junge Frauen binnen weniger Jahre spurlos verschwunden sind, und alle haben einen Bezug zu Lisa Hirth.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen