Motiv des Messer-Angreifers in Hurghada noch unklar

An diesem Strand einer Hotelanlage im ägyptischen Urlaubsort Hurghada am Roten Meer sind am Freitag zwei deutsche Frauen getötet und vier weitere Ausländer verletzt worden.
An diesem Strand einer Hotelanlage im ägyptischen Urlaubsort Hurghada am Roten Meer sind am Freitag zwei deutsche Frauen getötet und vier weitere Ausländer verletzt worden.
Foto: Christina Rizk / dpa
Zwei deutsche Frauen sind laut Polizei im ägyptischen Badeort Hurghada erstochen worden. Das Motiv des Angreifers ist noch unklar.

Kairo.  Das Motiv des Messer-Angreifers im ägyptischen Badeort Hurghada steht nach Angaben der Ermittler noch nicht fest. Die ägyptische Anwaltschaft für Staatssicherheit rief die Medien am Samstag in einer Erklärung dazu auf, Spekulationen und voreilige Schlussfolgerungen zu der Tat zu unterlassen. Es sei unklar, ob der festgenommene Angreifer allein gehandelt und ob es sich um einen Terrorakt oder eine kriminelle Tat gehandelt habe.

Aus Sicherheitskreisen in Kairo hatte es zuvor geheißen, der Täter habe den Auftrag für die Tat von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekommen. Demnach handelte es sich um einen 28 Jahre alten Studenten aus dem Norden Ägyptens. Er wurde festgenommen und zu weiteren Vernehmungen nach Kairo gebracht.

Die Frauen hatten offenbar dauerhaft in Hurghada gelebt

Das Auswärtige Amt hatte am Samstag bestätigt, dass es sich bei den getöteten Frauen um deutsche Staatsangehörige handelt . „Wir haben nunmehr die traurige Gewissheit, dass zwei deutsche Urlauberinnen bei dem Angriff in Hurghada ums Leben gekommen sind“, teilte eine Sprecherin in Berlin mit. Die Opfer stammten aus Niedersachsen.

Angreifer tötet zwei deutsche Frauen in Ägypten

Die Urlauberinnen kamen im Badeort Hurghada bei einer Messerattacke ums Leben. Vier weitere Menschen wurden verletzt.
Angreifer tötet zwei deutsche Frauen in Ägypten

Laut einem Bekannten der getöteten Frauen handelt es sich bei ihnen dagegen nicht um Urlauberinnen, sondern um Langzeit-Bewohnerinnen Hurghadas. Er habe die beiden persönlich gekannt, sagte der ehemalige deutsche Honorarkonsul Hurghadas, Peter-Jürgen Ely, am Samstagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. Eine weitere Bekannte von ihm habe die Frauen nach der Tat identifiziert.

Bilder aus sozialen Netzwerken zeigen offenbar Angreifer

Nach Angaben des ägyptischen Innenministeriums war der Angreifer von einem öffentlich zugänglichen Küstenstreifen aus an den Hotelstrand geschwommen und dort mit dem Messer auf Touristengruppen losgegangen. Dem Manager eines betroffenen Hotels zufolge wollte der Angreifer noch mehr Menschen erstechen.

Nach der Flucht von dem Strand habe der Mann auch im benachbarten Hotel „El Palacio“ nach Gästen gestochen, sagte der Manager des Gästehauses, Khaled Taha, der Deutschen Presse-Agentur. „Wir haben den Typen mit seinem Messer gestoppt“, sagte Taha. Daran sei auch Sicherheitspersonal des Hotels beteiligt gewesen. Der Mann sei bewusstlos gewesen und vom Personal gefesselt worden. Taha äußerte die Vermutung, dass der Angreifer geistig verwirrt gewesen sei.

In sozialen Netzwerken gab es Bilder, die den angeblichen Angreifer auf einer Art Kofferwagen liegend zeigen. Es ist unklar, ob das Bild echt und von der Szenerie ist. Weitere Fotos zeigen eine in einer Hotelhalle liegende Urlauberin im Bikini, die blutverschmiert ist.

Hotelmitarbeiter behauptet, ein Streit sei die Ursache

Ein Augenzeuge sagte der Zeitung „Al-Masry-Al-Yawm“, er habe gesehen, wie der Angreifer vor der Tat ein Telefonat geführt habe. Er habe dann im Vorbeigehen zu ihm gesagt, er soll weggehen, es solle keine Ägypter erwischen. Die Agentur AP meldet das ebenfalls unter Berufung auf Polizeikreise. Der Mann habe gesagt, es gehe ihm um Ausländer.

Ein Mitarbeiter eines örtlichen Hotels veröffentlichte auf Facebook dagegen ein Posting, es habe sich nicht um eine Terrorattacke gehandelt. Er sei Augenzeuge gewesen. Der Messerstecherei sei ein Streit vorangegangen. Es gibt für diese Version bisher keine Bestätigung.

Zur Herkunft der verletzten Urlauber gab es unterschiedliche Angaben. Die Agentur Tass meldete unter Berufung auf die Botschaft der Ukraine in Kairo, unter den Opfern seien – entgegen erster Berichte – keine ukrainischen Staatsbürger. Die Agentur Interfax berichtete, dass eine russische Frau verletzt worden sei und berief sich dabei auf das russische Konsulat. Das tschechische Außenministerium bestätigte, dass eine 36 Jahre alte tschechische Touristin bei der Messerattacke am Bein verletzt worden sei. Sie schwebe aber nicht in Lebensgefahr.

Hohes Risiko für Anschläge in Ägypten

Hurghada ist mit seinen mehr als 250 Hotelanlagen neben Scharm el Scheich das größte ägyptische Touristenzentrum am Roten Meer. Die Ferienregion ist auch bei deutschen Urlaubern beliebt.

Der Tourismus in Ägypten kämpft seit den gesellschaftlichen Unruhen und dem Sturz von Langzeitmachthaber Husni Mubarak im Jahr 2011 mit Problemen. Immer wieder kam es zu Anschlägen, die sich nicht nur gegen Sicherheitskräfte, sondern auch gegen Touristen richteten. Vor zwei Jahren stürzte zudem eine russische Passagiermaschine kurz nach dem Start aus dem Ferienort Scharm el Scheich über der Sinai-Halbinsel ab. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) behauptete später, das Flugzeug mit 224 Menschen an Bord durch eine Bombenexplosion zum Absturz gebracht zu haben.

Auswärtiges Amt sieht landesweit erhöhtes Risiko von Anschlägen

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes besteht in Ägypten landesweit ein erhöhtes Risiko terroristischer Anschläge und die Gefahr von Entführungen. Diese könnten sich auch gegen ausländische Ziele und Staatsbürger richten. Bei Reisen nach Ägypten, einschließlich der Touristengebiete am Roten Meer, werde deswegen generell zu Vorsicht geraten.

Außerdem wurden am Freitag in der Nähe von Kairo fünf Polizisten bei einem Angriff auf einen Kontrollpunkt getötet. Maskierte Angreifer hätten die Polizisten am Morgen in der Provinz Gizeh in Al-Badraschein rund 40 Kilometer südlich der Hauptstadt Kairo beschossen, hieß es aus Sicherheitskreisen. Zwei Polizisten und drei Rekruten seien getötet worden. Zunächst bekannte sich niemand zu diesem Angriff. (law/dpa/rtr)

 
 

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