Angeblicher Vergewaltiger nach langer Haft freigesprochen

André Anwar

Stockholm.  „Es ist so schön, dass es endlich vorbei ist. Nun kommen die Tränen“, sagte der 66-Jährige zu seinem späten Freispruch am Freitag. Zehn Jahre saß der Schwede im Gefängnis. Verurteilt dafür, seine Tochter von 1983 bis 1990 vergewaltigt und gefoltert zu haben, teils allein, teils gemeinsam mit anderen Männern. Die furchtbaren Übergriffe des Vaters sollten im neunten Lebensjahr begonnen haben.

2002 glaubten Richter des Amtsgerichtes Västmanland und danach 2003 auch in zweiter Instanz das Hofgericht der Tochter. Der Vater wurde zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt. Nun hat das schwedische Hofgericht den Mann in allen Anklagepunkten freigesprochen.

Die Tochter soll alles frei erfunden haben. Der Vater kann mit über zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) Schadenersatz rechnen.

In Schwedens Gefängnissen gehören Inzeststraftäter zur untersten Kategorie in der Gefangenenhierarchie. Sie werden häufig während der gesamten Haft von Mithäftlingen misshandelt und auch vom Personal malträtiert, heißt es in schwedischen Medien.

Der 66-Jährige hatte stets seine Unschuld beteuert. Doch erst im Mai 2013, nach zehn Jahren Gefängniszelle, bewilligte der höchste Gerichtshof, den Fall erneut zu prüfen.

Dass der Mann nach so langer Zeit noch eine Prüfung seines Falles und schließlich einen Freispruch erlangen konnte, hat etwas damit zu tun, dass seine Tochter in ihrem späteren Leben anderen Männern unglaubwürdig Übergriffe unterstellte. Als der Fall ihres Vaters erneut aufgenommen wurde, widersprachen die neuen Aussagen der Tochter ihren früheren Angaben erheblich.