Sexismus? Berliner Hochschule lässt Gedicht an Hausfassade entfernen – aber ist dieser Vers wirklich sexistisch?

Das Gedicht an der Hausfassade der Berliner Alice-Salomon-Hochschule wurde als sexistisch kritisiert– und wird nun entfernt.
Das Gedicht an der Hausfassade der Berliner Alice-Salomon-Hochschule wurde als sexistisch kritisiert– und wird nun entfernt.
Foto: Britta Pedersen / dpa
  • Das Gedicht eines schweizer Lyrikers an einer Berliner Hausfassade wird übermalt
  • Der Vorwurf: es sei Frauen gegenüber diskriminierend
  • Kulturvertreter kritisieren die Entscheidung hart

Berlin.  Ein Gedicht an der Hausfassade einer Berliner Hochschule, acht Zeilen über Alleen, Blumen, Frauen – und einen Bewunderer. Weil die Worte angeblich sexistisch sind, werden sie nun entfernt. Verfasser und Kulturrat kritisieren die Entscheidung hart.

Trotz internationaler Kritik will die Alice Salomon Hochschule das Gedicht des Schweizer Lyrikers und Poetik-Preisträgers Eugen Gomringer übermalen lassen. Am Dienstag beschloss der Akademische Senat mehrheitlich, dass künftig alle fünf Jahre ein neuer Preisträger zu Wort kommen soll.

„Eingriff in die Freiheit der Kunst“

Diese Entscheidung wird von vielen Seiten stark kritisiert. Nicht nur Gombringer selbst meint: „Das ist ein Eingriff in die Freiheit von Kunst und Poesie“, wie der 93-Jährige gegenüber der dpa meint. Er behalte sich rechtliche Schritte vor.

Auch der Deutsche Kulturrat reagierte „erschüttert“. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) kritisierte die geplante Übermalung als einen „erschreckenden Akt der Kulturbarbarei“. „Kunst und Kultur brauchen Freiheit, sie brauchen den Diskurs, das ist eine der wichtigsten Lehren aus der Geschichte“, erklärte Grütters am Mittwoch. „Wer dieses Grundrecht durch vermeintliche political correctness unterhöhlt, betreibt ein gefährliches Spiel.“

Angeblich sexistisch

Der Grund für die Übermalung: Angehörige der Hochschule hatten montiert, Gomringers auf Spanisch verfasstes Gedicht könne Frauen gegenüber diskriminierend aufgefasst werden. Konkret geht es um den Satz: „Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer.“

Dieser würde Frauen zum Objekt männlicher Bewunderung degradieren. In einer Online-Abstimmung hatten sich Hochschulangehörige Ende 2017 deshalb gegen das Gedicht ausgesprochen.

Würdigung der Preisträger

Gomringers Gedicht ist seit 2011 an der Fassade der Berliner Hochschule zu sehen – eine Würdigung an den Lyriker und die Vergabe des Alice Salomon Poetikpreises.

Bei einer Fassadenrenovierung im Herbst soll es nun übermalt und zunächst für fünf Jahre durch einen Text der letztjährigen Preisträgerin Barbara Köhler ersetzt werden. An Gomringers Gedicht und die Debatte soll auf Wunsch des Dichters mit einer „Tafel“ in Spanisch, Deutsch und Englisch erinnert werden.

Weitere Reaktionen

In der Debatte positionierte sich auch der Axel Springer Verlag kritisch: Dieser stellte das Gedicht in spanischer Sprache auf das Leuchtband an seiner Fassade.

„Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt twitterte dazu: „auf unserem verlagsgebäude läuft das gedicht von #gomringer jetzt und leuchtet in die nacht. gegen den irrsinn der gedichtübermaler und kunstfreiheitsgegner.“ (dpa/alka)

 
 

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