Alzheimer-Drama „Die Auslöschung“ mit Klaus Maria Brandauer und Martina Gedeck gruselt nur sanft

Klaus Maria Brandauer und Martina Gedeck bei der Premiere von  «Die Auslöschung».
Klaus Maria Brandauer und Martina Gedeck bei der Premiere von «Die Auslöschung».
Foto: dpa
Alzheimer-Dramen sind im Schwange. Eines davon ist „Die Auslöschung“ mit Klaus Maria Brandauer und Martina Gedeck. Es geht um den hochangesehenen Wiener Kunsthistoriker Ernst Lemden. Der großbürgerliche Hintergrund der Story mildert ihren Schrecken.

Berlin.. Was ist los mit Ernst Lemden? Wieso kann er sich den Namen seines Enkels nicht merken, während ihm die alten Schlaflieder doch alle wieder einfallen? Man ahnt es. Alzheimer. Die Dramaturgie einer Demenz gehört inzwischen zu den Lieblingsthemen von Buchautoren und Filmemachern. „Die Auslöschung“ (ARD, 20.15 Uhr) mit Martina Gedeck und Klaus Maria Brandauer bereichert das neue Genre um einen stillen, langsamen Film, der Angst und Schrecken in das milde Licht einer großbürgerlichen Welt taucht.

Ernst Lemden ist ein hochangesehener Wiener Kunsthistoriker, der brillant über Schattenwürfe bei Alten Meistern philosophieren kann. Der Schatten, der sein eigenes Leben nach und nach verdunkeln wird, ist am Anfang nur ein leichter Grauschleier. Wo, fragt sich Lemden, hat er nur sein Auto geparkt? Die Frage ist deshalb so quälend, weil er gerade die schöne, 20 Jahre jüngere Judith erobert hat.

Jetzt würde er sie gerne nach Hause fahren und vielleicht noch auf einen Kaffee… Aber wo steht bloß das Auto? Egal. Noch lässt sich jede Unsicherheit überspielen. Ernst ruft ein Taxi, die beiden verbringen die Nacht zusammen, werden ein Paar und ahnen nicht, welche Belastung auf sie wartet.

Soziale Idealbedingungen

Von der ersten Diagnose bis zum fast vollständigen Verlust von Erinnerung und Orientierung dauert es bei Ernst Lemden mehrere Jahre. Es ist ein persönliches Drama, eine tragische Liebesgeschichte, aber immerhin ein Krankheitsverlauf unter sozialen Idealbedingungen.

Lemden ist wohlhabend, seine junge Frau ist treu, einfühlsam und nervenstark. Sohn und Tochter unterstützen Judith nach Kräften, die polnische Pflegerin kümmert sich vorbildlich. Und auch Ernst selbst ist ein sympathischer Kranker: Er ist nur selten aggressiv oder depressiv, sein einst so heller Verstand blitzt immer wieder auf, er schafft es, seiner Judith nah zu bleiben. Bis sie eines Tages erkennt, dass er sie schon lange für eine alte Kinderliebe hält. Aber auch das kann Judiths Treue nicht erschüttern. Schließlich bleibt Ernst sogar so viel Wille und Selbstgewissheit, dass er sein Ende selbst bestimmt.

Ein Auf und Ab von Trauer und Angst

Es dauert eine Zeit, bis Martina Gedeck (Judith) und Klaus Maria Brandauer (Ernst) dem Zuschauer glaubhaft versichern, dass dieses Paar sich wirklich liebt. Selbstbewusst bis zur Sperrigkeit starten sie in die Geschichte, geschmeidig werden sie erst, als das Drama seinen Lauf nimmt. Beeindruckend ist jetzt vor allem Brandauer: Der bald 70-Jährige zeichnet die allmähliche Auslöschung nicht als permanente Katastrophe, sondern als Auf und Ab von Trauer, Angst – und Geborgenheit.

 
 

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