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Alfred Zerban ist tot

Alfred Zerban, langjähriger Leiter der WDR-Verkehrsredaktion ist tot. Er starb am 25. Juni 2014 im Alter von 80 Jahren. Bekannt geworden ist der gebürtige Essener durch seine mehr als 1300 Autotests auf WDR2. Und für seinen Satz: „Fahren Sie bitte vorsichtig – immer.“

Köln. 

Alfred Zerban war einer, den man nicht an seinem Gesicht erkannte, sondern an seiner Stimme. Bis 1996 klang sie jeden Samstagmorgen aus dem Radio, wenn er den Hörern des WDR ein „Freie Fahrt ins Wochenende“ wünschte und sie bat: „Fahren Sie bitte vorsichtig – immer.“ Kurz zuvor hatte er da wieder ein neues Auto getestet, stets auch auf der legendären Marterstrecke. Und egal, wie sehr der Wagen da auch ruckte und klapperte, Zerbans bebende Stimme versagte nicht ein einziges Mal. „Das dauerte keine halbe Minute, aber das hat meinen Ruf begründet“, hat er später gerne erzählt. Wie gestern bekannt wurde, ist der Essener am Mittwoch im Alter von 80 Jahren gestorben.

Dass er mal Journalist werden würde, war lange nicht abzusehen. Industriekaufmann hat er gelernt, Volkswirtschaft studiert und für die Teerbau GmbH in Essen gearbeitet. Nicht sein Wunsch war das allerdings, sondern der Wille des Vaters. Anfang der 1960er aber bekommt Zerban das Angebot, Redakteur bei der Zeitschrift „DM“ zu werden. Zerban sagt zu, testet Speiseis ebenso wie Waschmaschinen oder Fernseher. Dann ruft das Radio. 1965 geht er zum WDR. Als dort eine Verkehrsredaktion gegründet wird, soll er sie leiten. Hatte angeblich auch praktische Gründe: „Ich war der einzige mit Führerschein“, hat sich Zerban später gerne erinnert.

Nie die Schwächeren vergessen

Aber er war auch eine gute Wahl. Nicht nur weil er im Laufe von über 25 Jahren mehr als 1300 Autos testet und dabei so unverblümt und ehrlich seine Meinung sagt, dass manche Hersteller drohen, ihm keine Testwagen mehr zur Verfügung zu stellen. Und auch nicht, weil er die treibende Kraft hinter dem Verkehrsfunk-Service ist, der seit 1970 Urlaubs- und Fernreisende per Autoradio über die aktuelle Verkehrslage informiert. Sondern vor allem, weil er nie die Schwächeren im Straßenverkehr vergisst – Fußgänger, Kinder oder Senioren.

Im Radio wettert er im Oktober 1975 gegen Raserei in Wohngebieten. Kurze Zeit später haben sich in NRW knapp 100 Bürgerinitiativen gegründet, die für Geschwindigkeitsbeschränkungen vor ihrer Haustür kämpfen.

Privat gerne mit derStraßenbahn unterwegs

Zerban war zum „Vater der Tempo-30-Zonen“ geworden. Für seine Verdienste um die Verkehrssicherheit erhielt erspäter das Bundesverdienstkreuz und wurde mehrfach mit dem Christophorus-Preis sowie dem Umweltschutz-Preis der Stadt Essen ausgezeichnet. Am Ende aber hatte er wohl mehr, erreicht, als er gewollt hatte. Die Idee der verkehrsberuhigten Zonen, hat er jedenfalls mal gesagt, sei „völlig ausgeufert“. „Ich war dafür, den Verkehr nur in richtigen Wohngebieten zu erschweren.“

Außerhalb der Buckelpiste in der „Wahner Heide“ musste der leidenschaftliche Autotester nur selten vom Gas gehen. Privat fuhr Zerban lieber mit der Straßenbahn.