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Afghanischer Geistlicher ohne Einsicht: Mann hat alle vier Tage Recht auf Sex

Kabul. Der führende schiitische Geistliche in Afghanistan hat ein international höchst umstrittenes Ehegesetz verteidigt und erklärt, die Vorschrift sei nicht mehr abzuändern. Danach sind Frauen verpflichtet, mindestens alle vier Tage mit ihrem Mann zu schlafen.

Der führende schiitische Geistliche in Afghanistan hat ein international höchst umstrittenes Ehegesetz verteidigt. Die Vorschrift sei nicht mehr abzuändern. Die Kritik aus dem Ausland sei eine unzulässige Einmischung und lasse es an Respekt für die afghanische Demokratie mangeln, sagte Mohammad Asif Mohseni am Samstag vor Journalisten in Kabul. «Wenn die Frau nicht krank ist und kein anderes Problem vorliegt, dann ist es das Recht des Mannes, Sex zu verlangen», sagte Mohseni.

Nach dem fraglichen Gesetz, das Erinnerungen an Taliban-Zeiten weckt, sind Frauen verpflichtet, mindestens alle vier Tage mit ihrem Mann zu schlafen. Dies wird von Menschenrechtsorganisationen als Freibrief zur Vergewaltigung in der Ehe angesehen. Männer dürfen der Vorlage zufolge außerdem ihren Ehefrauen bestimmte Tätigkeiten verbieten oder sie am Verlassen des Hauses hindern.

«Das Gesetz der Scharia besagt, dass eine Frau das Haus nicht ohne die Erlaubnis ihres Mannes verlassen darf», verteidigte Mohseni die Regelung. Der Geistliche war an der Vorbereitung des Textes maßgeblich beteiligt. Präsident Hamid Karsai hat nach einem Sturm internationaler Empörung jedoch zugesagt, das Gesetz nochmals auf seine Verfassungskonformität prüfen zu lassen. Mohseni erklärte jedoch, das Gesetz könne nicht mehr geändert werden, da es von beiden Kammern des Parlaments beschlossen und von Karsai unterzeichnet worden sei. Der Westen, der sich für die Einführung der Demokratie in Afghanistan brüste, solle diese demokratische Entscheidung respektieren, sagte Mohseni.

Sunniten könnten Vorschrift übernehmen

Zur Regelung, wonach der Mann einen Anspruch auf regelmäßigen Geschlechtsverkehr habe, sagte der Geistliche, der Gatte komme schließlich in der Regel auch für das Auskommen der Familie auf. «Für diese ganzen Ausgaben, können wir einem Ehemann nicht mindestens das Recht geben, nach vier Nächten von seiner Frau Sex zu verlangen?»

Das Gesetz soll das Familienleben der schiitischen Gemeinschaft regeln, die etwa 10 bis 20 Prozent der 30 Millionen Afghanen umfasst. Prominente sunnitische Geistliche haben jedoch bereits signalisiert, dass die Regelung von ihnen übernommen werden könnte – damit wäre sie für nahezu alle Afghanen gültig.

Die afghanische Verfassung garantiert Frauen und Männern «gleiche Rechte und Pflichten vor dem Gesetz». Die Gesellschaft ist von einer konservativen Interpretation des Islams geprägt, die Lage der Frauen hat sich seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 jedoch verbessert. Millionen Mädchen gehen zur Schule und im Parlament sind 89 von 351 Abgeordneten Frauen. (ap)