Tim überlebte 1997 seine Abtreibung – 21 Jahre später ist er gestorben

Tim (21) überlebte 1997 seine Abtreibung und stirbt 2019 an einem Lungenleiden.
Tim (21) überlebte 1997 seine Abtreibung und stirbt 2019 an einem Lungenleiden.
Foto: imago/epd

Quakenbrück. Er überlebte im Bauch seiner Mutter seine Abtreibung, jetzt ist Tim im Alter von 21 Jahren gestorben. Der junge Mann aus Quakenbrück bei Osnabrück erlag am vergangenen Freitag einem kurzen Lungeninfekt, sagte seine Pflegemutter Simone Guido.

Tim wurde 1997 als „Oldenburger Baby“ bekannt. Bei dem Jungen war in der 25. Schwangerschaftswoche das Down-Syndrom diagnostiziert worden. Seine Mutter wollte ihn daraufhin spät abtreiben lassen. Tim überlebte unerwartet, obwohl er erst mehrere Stunden danach medizinisch versorgt wurde. Familie Guido aus Quakenbrück bei Osnabrück nahm ihn in Pflege.

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„Oldenburger Baby“ ist tot: Tim hatte noch ein schönes Weihnachtsfest

Zuerst hatte die „Neue Osnabrücker Zeitung“ von Tims Tod berichtet. Bevor er starb, sei er noch richtig fit gewesen. „Wir hatten ein superschönes Weihnachtsfest“, sagte Simone Guido. Tim sei aber schon während der vergangenen Wochen nicht so stabil gewesen und habe viele Infekte gehabt.

„Es war immer schwer, Tim über den Winter zu bringen. Das war immer die härteste Zeit mit ihm.“ Seine Lunge sei aufgrund der frühen Geburt in der 25. Schwangerschaftswoche geschädigt gewesen. Aber in diesem Jahr sei es bei dem kalt-nassen Wetter heftiger gewesen.

Warum sollte Tim so spät abgetrieben werden?

Das Schicksal des Kindes, das wegen Überforderung der leiblichen Eltern in eine Pflegefamilie kam, löste eine Diskussion über Spätabtreibungen aus.Schwangerschaftsabbrüche sind unter bestimmten Voraussetzungen nur innerhalb der ersten zwölf Wochen einer Schwangerschaft straffrei.

Von einem ärztlichen Gutachter wurde aber eine Gefahr für die körperliche und seelische Gesundheit der Mutter festgestellt, so dass eine Abtreibung auch nach dem dritten Schwangerschaftsmonat erlaubt wurde.

Ärzte leiten Geburt ein – Tim überlebt überraschend

Doch das Kind überlebte die am 6. Juli 1997 in einer Oldenburger Klinik eingeleitete Geburt und starb auch nicht in den ersten Stunden danach, obwohl es lediglich in ein Tuch gewickelt worden war. Erst nach etwa neun Stunden begannen Ärzte mit einer intensivmedizinischen Behandlung.

Zum 18. Geburtstag des Jungen schrieben die Pflegeeltern das Buch „Tim lebt!“. Jetzt müssen seine Pflegeeltern, Freunde und seine beiden Schwestern Melissa und Naomi, ebenfalls Pflegekinder mit Down-Syndrom, Abschied von ihm nehmen.

Tim stirbt im Krankenhaus

Zunächst sei der erneute Lungeninfekt gar nicht so schlimm gewesen. Tim habe Antibiotika erhalten und inhaliert. Gegen halb zehn Uhr abends habe ihr Mann Tim ins Bett gebracht, erzählte die Pflegemutter. Sie habe sich dann ins Nebenzimmer gelegt, um gleich da zu sein, wenn er etwas bräuchte.

„Aber als ich um elf Uhr aufwachte, war es so still.“ Der herbeigerufene Notarzt habe ihren Sohn reanimiert und ins Krankenhaus gebracht, wo er wenige Minuten später gestorben sei. (epd/jg)

 
 

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