Abbas Brünette liebt jetzt die Natur

Stockholm.  Ähnlich wie die Beatles war das schwedische Popquartett Abba eine Legende. Und die „Abbamania“ lässt einfach nicht nach. Songs wie „Dancing Queen“ werden nicht nur von der Generation geliebt, die 1974 den internationalen Durchbruch der Band mit „Waterloo“ beim ESC erlebte. Auch ein Großteil der heutigen Jugend ist den Kompositionen von Abba verfallen.

An diesem Sonntag feiert die einst brünette Sängerin Anni- Frid Lyngstad ihren siebzigsten Geburtstag in der Schweiz, wo sie schon seit 30 Jahren lebt. Ihre langjährige Freundin Görel Hanser (66) berichtet unserer Zeitung: „Wie und wo sie ihren runden Geburtstag am Sonntag feiert, möchte Annie gern geheim halten“, sagt die Abba-Managerin. Doch man müsse sich keine Sorgen machen „Anni-Frid geht es derzeit gut. „Sie lebt jetzt das Leben, das sie leben möchte“. so Hanser.

Das war lange nicht selbstverständlich. Lyngstad hat ein Leben geführt, das neben dem Weltruhm und ihrem Aufstieg als Sexikone in der Männerwelt auch viele Schicksalsschläge für sie bereithielt.

Heute genießt sie die Einsamkeit, an der sie lange sehr gelitten haben, sagt sie selbst dem schwedischen Fernsehsender SVT.

Geboren als Tochter des deutschen Wehrmachtssoldaten Alfred Haase und einer Norwegerin war bereits der Anfang schwierig. In Norwegen wurden die „Deutschkinder“ nach der NS-Besatzungszeit als Schandflecken betrachtet. „Ich war glücklicherweise so klein, dass ich nichts davon mitbekommen habe“, sagt sie heute. Ihre Mutter dahingegen erlebte die Anfeindungen mit voller Wucht. Sie starb jung im Jahr 1947. Ihren Vater hat Lyngstad erst 1977 getroffen, als sie weltberühmt war. Die Zeitschrift „Bravo“ hatte die Geschichte aufgedeckt. Sie glaubte bis dahin immer, dass er tot sei.

Die Idylle zerbrach auch durch die Scheidung von Benny Andersson

Ihre Großmutter zog mit ihr nach Schweden, um dort für beide ein neues Leben aufzubauen. Mit 16 nahm sie die schwedische Staatsbürgerschaft an. Die Norweger beanspruchen sie heute dennoch gern als ihr ganz persönliches Aushängeschild.

1972 bis 1982 kam ihre ganz große Zeit mit Abba, den Plateauschuhen, den wunderbaren Bühnenkostümen, die inzwischen ausgestellt in einem interaktiven Abba-Museum in Stockholm jährlich Tausende von Besuchern anziehen. 380 Millionen Tonträger verkaufte die Band.

„Wir waren damals zwei Paare. Wir waren verliebt“, erzählt sie in einem Interview des Magazins „Damernas Värld“. „Ich glaube, irgendwie konnten sich die Leute mit uns identifizieren.“ Die Idylle zerbrach dann auch durch die Scheidung vom zweiten Ehemann, Bandkollegen Benny Andersson, der noch heute in Stockholm lebt.

Auch das zweite Abba-Paar Björn Ulvaeus und Agnetha Fältskog ließen sich 1980 scheiden. Der letzte gemeinsame Auftritt fand 1982 statt.

Kommt Abba noch einmal zusammen?

Später ging sie ihre dritte Ehe mit dem Deutschen Heinrich Ruzzo Prinz Reuß von Plauen ein. Beide liebten die Schweiz und die Berge. Aus dem Arbeitermädchen und späteren Musikerlegende wurde Anni-Frid, Prinzessin von Reus und Gräfin von Plauen. Es sollte jedoch ihre schwerste Lebensperiode werden. Ihre Tochter aus erster Ehe starb 1998 bei einem Autounfall in den USA. 1999 starb ihr Ehemann Heinrich an Krebs. Sie stand kurz vor einem Zusammenbruch.

Kraft, um auf die Beine zu kommen, kam aus der Nähe zur Natur. Sie sei viel in der Schweizer Bergwelt gewesen, „Klettern, Wandern, Skifahren, alles was mir Seelenfrieden gibt“, sagt sie. „Ich bin in der Nähe der Berge in Skandinavien aufgewachsen. Ich glaube deshalb gefällt es mir so gut da, wo ich jetzt lebe, in der Natur.“

2014 gab Lyngstad an, eine befristete Wiedervereinigung von Abba für möglich zu halten. „Solange wir alle singen und spielen können, warum nicht?! Ich würde das gerne machen, aber das müssen Björn und Benny entscheiden“, sagte sie. Vielleicht findet ein Abba-Geburtstagsständchen ja am Sonntag ganz ohne Publikum in der Schweiz statt, rätselt man derzeit in Schweden.

 
 

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