20-Jährige darf wegen Silikonbrüsten nicht zur Polizei

Weil sie Brustimplantate hat, darf eine junge Frau ihre Ausbildung bei der Polizei nicht antreten.
Weil sie Brustimplantate hat, darf eine junge Frau ihre Ausbildung bei der Polizei nicht antreten.
Foto: Getty
Eine junge Frau aus Baden-Württemberg darf nicht zur Polizei, weil sie Brustimplantate trägt. Ihr Dienstherr verweigert ihr die Ausbildung, weil er ein höheres Verletzungsrisiko sieht. Doch die 20-Jährige will nicht aufgeben. Hoffnung macht ihr ein Urteil in einem vergleichbaren Fall aus Berlin.

Stuttgart. Die Polizei Baden-Württemberg verwehrt einer 20-jährigen die Ausbildung bei der Polizei. Begründung: Sie hat Brustimplantate. Wie die Bild-Zeitung berichtet, bestand die junge Frau die Aufnahmeprüfung. Als sie ihre Ausbildung antreten wollte, schickte der Polizeiarzt sie aber direkt wieder nach Hause, weil sie sich zwischendurch Silikonimplantate einsetzen lassen hatte.

Die Implantate seien als problematisch anzusehen, schreibt die Polizei der Anwärterin, bei gewaltsamen polizeilichen Aktionen mit erhöhter Verletzungsgefahr könne es zu Komplikationen kommen. Konkret: Bei einem Schlag oder Stich auf die Brust könne das Implantat reißen und Silikon austreten.

Anwärterin will um Ausbildungsplatz bei der Polizei kämpfen

Die Anwärterin will um ihren Ausbildungsplatz bei der Polizei kämpfen. Sie hat den Petitionsausschuss des baden-württembergischen Landtags angerufen. Juristisch steht die Begründung der Polizei jedenfalls auf wackligen Beinen: Erst vor einem Monat hatte das Verwaltungsgericht Berlin in einem ähnlichen Fall entschieden: Brustimplantate seinen kein Hindernis für den Polizeidienst.

Aktuell dienstfähige Bewerber dürften nur dann abgewiesen werden, wenn es wahrscheinlich sei, dass es zu einer Frühpensionierung oder langen und regelmäßigen Krankheitsphasen komme. Das sei bei einer Anwärterin mit Brustimplantaten nicht der Fall.

Fachärztin sieht kein höheres Risiko

Eine vom Gericht befragte Fachärztin sagte, bei typischen Polizeieinsätzen sei eine Polizistin mit Brustimplantaten keinem höheren Risiko ausgesetzt als eine Polizistin ohne Implantate. Auch das Tragen der Schutzkleidung sei kein Problem. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Im vergangen Jahr hatte es in Bielefeld Ärger um Silikonimplantate bei der Polizei gegeben: Ein Polizeiarzt hatte Polizistinnen regelmäßig bei der Fahrtauglichkeitsprüfung auf Implantate abgetastet. Er begründete sein Vorgehen damit, dass die Implantate zur Dienstuntauglichkeit führten, weil sie bei Unfällen platzen könnten.

Diese Prozedur hatte das NRW-Inneministerium nach Bekanntwerden der Fälle offiziell untersagt und dabei klargestellt, dass Brustimplantate kein Indikator für Dienstuntauglichkeit seien.