19 Jahre beim ADAC - ein "Gelber Engel" erzählt

Als „Gelber Engel“ im Allgäu unterwegs: Susa Bobke.
Als „Gelber Engel“ im Allgäu unterwegs: Susa Bobke.
Foto: Fremdbild
Es gab Männer, die sagten, sie soll bloß die Finger von ihrem Auto lassen. Andere fragten sie nach ihrer Ausbildung oder „Wann kommt Ihr Kollege?“ Kfz-Meisterin Susa Bobke hat über ihre Erlebnisse als Pannenhelferin zwei Bücher geschrieben – mit Profitipps.

Lindau.. Dumme Sprüche von Männern hat sie schon häufiger kassiert. Die reichten von „Haben Sie eigentlich eine Ausbildung?“, über „Wo ist Ihr Kollege?“ bis hin zu der Frage „Sind Sie jetzt eine Frau oder ein Mann?“ Susa Bobke nahm es gelassen und tut seit 19 Jahren das, was sie liebt: Die 47-Jährige ist eine von rund 1600 „Gelben Engeln“ des ADAC, eine von nur fünf Frauen beim Automobilclub, die auf Deutschlands Straßen Pannenhilfe leisten. Über das, was sie bei ihren Einsätzen schon so alles erlebt hat, hat die gebürtige Schleswig-Holsteinerin zwei Bücher geschrieben – natürlich mit Profitipps. Denn Bobke ist – auch wenn mancher Mann das erst gar nicht glauben kann – Kfz-Meisterin.

Sie arbeiten, wo andere Urlaub machen.

Susa Bobke: Ja, ich lebe im Allgäu zwischen Kempten und Lindau, rund 30 Kilometer von Bregenz in Österreich entfernt. Beruflich bin auf der A7 und der A96 unterwegs. Da kommen im Jahr so rund 50 000 Kilometer zusammen.

Wurde Ihnen der Hang zum Schraubenschlüssel in die Wiege gelegt?

Bobke: Nein, mein Vater war Tierarzt. Aber mich hat es schon als Kind zu Rasenmähern, Traktoren und Unimogs hingezogen. Alles Geräte, mit denen man nach alter Schmiere, Staub und Dreck riecht. (lacht) Vielleicht hatte meine Mutter, als sie mit mir schwanger war, zu viel Testosteron im Fruchtwasser.

Ihr Weg zur Kfz-Lehre führte erst über den Umweg eines Jura- und eines Germanistik-Studiums.

Bobke: Ich wollte nie studieren, hätte gerne schon mit 15 diese Lehre gemacht. Weil ich keine Stelle fand, habe ich aus Verlegenheit ein bischen studiert und dann später den Ausbildungsplatz gefunden. 1993 bin ich zum ADAC gekommen. In München, in Bayern, war ich damals die erste Frau als „Gelber Engel“. Die Kollegen haben mich sehr herzlich aufgenommen. Die waren stolz auf das Mädel in der Gruppe.

Gibt es typische Männer-Pannen?

Bobke: Der leergefahrene Tank! Männer sind da risikofreudiger als Frauen. Eine Frau hat da nicht so einen sportlichen Ehrgeiz. Die will nicht testen: Wie weit komme ich wohl noch? Bei Frauen kommt noch hinzu, dass sie bei so etwas plötzlich allein am Straßenrand stehen könnten. Das muss man als Frau nicht haben.

Ist es Männern nicht peinlich, wenn Sie sie rufen, weil sie keinen Sprit mehr haben?

Bobke: Es gibt eine Menge Männer, die behaupten: „Das liegt gar nicht daran.“ Dann gibt es welche, denen ist das schon unangenehm.

Der Reifenwechsel ist der Klassiker unter den "Frauen-Problemen"

Wann brauchen Frauen Hilfe?

Bobke: Der Reifenwechsel ist der Klassiker. Wobei es heute genauso viele Männer gibt, die das auch nicht können. Bei anderen Sachen – im Armaturenbrett leuchtet eine Lampe auf und man weiß nicht genau, was das ist – sind Frauen im Unterschied zu Männern viel eher bereit, mal einen Blick in die Bedienungsanleitung des Autos zu werfen. Die haben sie oft schon aufgeschlagen, wenn ich komme. Junge Männer in einer solchen Situation machen sich online schlau. Mit ihrem Smartphone waren die schon in irgendwelchen Auto-Foren unterwegs. Die kommen dann mit ganz neuen Informationen daher. Das finde ich immer witzig. Die Besserwisserei ist schon eher eine männliche Eigenschaft.

Wie gehen Frauen mit einer Auto-Panne um?

Bobke: Die geben sich an der Situation immer eher die Schuld. Beispiel: Ein Reifen ist geplatzt. Sie denkt: Hätte ich es nicht schon früher merken müssen, dass da was nicht stimmt? Er schiebt alles auf den schlechten Straßenbelag. Außerdem wollen Frauen mir bei der Behebung der Panne immer helfen. Einmal habe ich echt gestaunt. Da stand eine junge Holländerin im Blümchen-Sommerkleid am Straßenrand und hat einen Reifen an ihrem Wohnwagen gewechselt. Was eine Ackerei ist. Die hat mich nicht gerufen, aber ich hielt an. Denn als ich näher kam, sah ich: Sie ist ziemlich schwanger. Ich konnte sie schließlich davon überzeugen, dass wir den Reifenwechsel zusammen machen.

Was nervt Sie als „Gelber Engel“ besonders?

Bobke: Komfort-Pannen! Ich werde gerufen, wenn das Navi nicht mehr funktioniert. Manche Menschen kommen ohne gar nicht mehr weiter. Die Leute gewöhnen sich an betreutes Fahren. Da stehen Menschen am Straßenrand in der Nähe von riesigen Schildern mit Wegweisern und die schauen da nicht mal drauf. Es zählt nur noch, was Navi „Gaby“ sagt. Und wenn die den Kontakt zum All verliert... Auch Klimaanlagen sind für viele mittlerweile geradezu lebenswichtig. Handys natürlich auch. Meist kommt eine Panne ja nicht allein. Da ist dann auch noch der Akku vom Handy leer. (lacht) Das führt bei jungen Leuten zu Traumatisierungen. Da habe ich wirklich schon Verstörungen erlebt.

Männer und Autos. Das war doch früher ein untrennbares Gespann. Sie stellen auf der Straße aber immer wieder fest: Viele junge Männer haben gar keine Ahnung mehr von Autos.

Bobke: Ja. Es gibt jüngere Männer, für die sind der Computer und die Mountainbikes wichtiger. Bei denen ist zu Hause auch das Batterie-Ladegerät aus dem Regal verschwunden. Die heute 70- bis 80-Jährigen, die früher viel selbst am Auto gemacht haben, die sind irgendwann nicht mehr mit der technischen Entwicklung nachgekommen und sagen: „Da fasse ich jetzt auch nichts mehr an, bei der ganzen Elektronik im Auto.“

Dafür habe ich jetzt auch mein zweites Buch geschrieben, damit man da die Hemmschwelle überschreitet. Denn man kann am Auto schon noch was selbst machen.

Früher, als ich beim ADAC anfing, war es für Männer übrigens auch schwierig, mich als Frau in diesem Beruf zu respektieren. Es war für sie ehrenrührig, sich von einer Frau helfen zu lassen. Heute gehen alle davon aus, dass man in jedem Beruf eine Frau antreffen kann. Der Schreck mag im Einzelfall immer noch groß sein, aber das Bewusstsein hat sich verändert.

Ihre unangenehmste Begegnung?

Bobke: Das war ein älterer Jaguar-Fahrer, so ein Typ Anwalt, Notar. Älter, sehr schlecht gelaunt – sein Jaguar ging nicht. Und er wusste auch schon gleich, was es war. Das musste ein Motorschaden sein, das ganze Auto war angeblich kaputt! Für den war völlig klar: Das kann eine Frau auf gar keinen Fall. Ich habe ihn ein bischen gedemütigt, indem ich ihm sagte, sein Tank sei leer. Was er nicht hören wollte. Das hat er erst glatt abgestritten.

Sind Sie auch schon mal unverrichteter Dinge weggefahren?

Bobke: Ja, natürlich gibt es auch Leute, die sagen: „Fassen Sie bloß mein Auto nicht an.“ Und wenn da ein Wagen steht für 50 000 Euro oder mehr und ich merke, da wartet nur einer drauf, dass ich da einen Kratzer reinmache, da werde ich mich hüten. Dann lass ich das. Aber das sind absolute Einzelfälle.

Wenn Sie bestimmte Autos sehen, wissen Sie, um welchen Typ Mensch es sich handelt?

Bobke: Die Leute wählen das Auto, das zu ihnen passt. In VW-Bussen sitzen immer wahnsinnig nette Leute. (lacht) Ich habe auch einen, ich habe nämlich einen großen Hund. Ein Auto im Wert eines Eigenheims wäre mir unangenehm. Würde mir jemand einen Porsche 911 leihen, würde ich den auch gerne mal fahren. Aber ich würde mir so ein Auto nicht kaufen. Ich weiß nicht, ob diese großen Autos immer Angabe sind. Vielleicht sind sie ja auch Ausdruck purer Lebensfreude. Da will ich keinem Unrecht tun.

Hand aufs Herz: Gibt es Männer, die Sie nach getaner Arbeit einladen wollen?

Bobke: Weniger als man vermuten würde. (lacht) Ich sehe auch nicht sehr appetitlich aus, wenn ich da mit schwarzem Gesicht und schwarzen Händen stehe. Es gibt vereinzelt welche, die einen höflichen Versuch starten. Ansonsten eher nicht. (lacht) Wenn das Auto nicht mehr geht, ist beim Mann nicht mehr viel los.

Zwei Bücher von Susa Bobke sind im Knaur Verlag erschienen:

  • Männer sind anders. Autos auch. Meine Erlebnisse als Gelber Engel. München 2010, 255 Seiten (8,95 Euro)
  • Auch ein Mann bleibt manchmal liegen. Profitipps vom Gelben Engel. München 2012, 238 Seiten (12,99 Euro)
 
 

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