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13 Jahre nach 9/11 stockt der Bau des neuen World Trade Centers

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Zum 13. Mal jährt sich der Terroranschlag vom 11. September. Dort, wo einst die Zwillingstürme standen, soll das neue World Trade Center entstehen. Doch der Bau stockt. Foto: epa/New York City Police/Handout
Bauverzögerungen, Kostenexplosionen und sehr viel Streit: Der Bau des neuen World-Trade-Center-Komplexes am Ground Zero produzierte bislang vor allem Negativschlagzeilen. Jetzt soll alles besser werden, sagt Architekt Libeskind – aber fertig sind viele Bauten auch 13 Jahre nach 9/11 längst nicht.

New York. 

Der Himmel über New York will einfach nicht mitspielen. Dabei haben sich die Bauherren des neuen World Trade Center-Komplexes extra im 67. Stock des Wolkenkratzers „4 World Trade Center“ rund um den Architekten Daniel Libeskind versammelt, um Sonnenschein zu verbreiten. Der Welt soll ein für alle Mal klar gemacht werden, dass jeder Streit beiseite gelegt und das Projekt auf allerbestem Weg ist.

„Downtown New York, ein Ort, den viele schon abgeschrieben hatten, ist jetzt das angesagteste Viertel der Stadt“, schwärmt der Chef der zuständigen Baufirma, Larry Silverstein. Durch die Glasflächen hinter ihm wird der Himmel über New York währenddessen immer grauer, bis er schließlich die Silhouetten von Empire State Building und all den anderen Wolkenkratzern ganz verschluckt.

Bauverzögerungen, Kostenexplosionen und Streit

Der World Trade Center-Komplex am Ground Zero schien bislang unter keinem guten Stern zu stehen. Bauverzögerungen, Kostenexplosionen und Streit vor allem zwischen Architekt Libeskind und den Bauherren um Änderungen an seinem 2003 ausgewählten Masterplan dominierten die Schlagzeilen.

Auch 13 Jahre nach den Anschlägen auf die Zwillingstürme des früheren World Trade Centers mit rund 3000 Toten ist das Projekt noch weit von der Fertigstellung entfernt. Immerhin sind Mahnmal, Museum und ein Wolkenkratzer – „7 World Trade Center“ – inzwischen eröffnet und die Bauarbeiten am Hochhaus „4 World Trade Center“ so gut wie beendet. Das Herzstück „One World Trade Center“ – mit 541 Metern das höchste Haus der USA – soll noch dieses Jahr dazukommen, seine Aussichtsterrasse allerdings erst nächstes.

Ebenfalls 2015 soll der Bahnhof fertig werden – sechs Jahre später als geplant. Der Wolkenkratzer „3 World Trade Center“ soll erst Anfang 2018 fertiggestellt werden und wann und ob sein von Star-Architekt Norman Foster entworfener Nachbar „2 World Trade Center“ eröffnet werden kann, ist derzeit völlig unklar.

„Wir hätten uns alle gewünscht, dass das viel schneller gegangen wäre“, gibt Bauherr Silverstein zu. Und auch dem stellvertretenden Chef der zuständigen Verkehrsbehörde Port Authority, Scott Rechler, ist der Frust über die Verzögerungen vor allem beim früher als „Freedom Tower“ bekannten „One World Trade Center“ anzumerken. „Man kann niemanden rügen, der gedacht hat, dass er dieses Gebäude niemals fertig sehen würde.“

„Brauchen noch ein bisschen mehr Geduld“

Aber jetzt werde alles gut, betonen die Bauherren. Dreimal so viel Einwohner und dreimal so viel Hotelbetten wie noch 2001 – die Südspitze Manhattans boome und der World Trade Center-Komplex sei ihr Herzstück. Zahlreiche neue Miet-Anwärter hätten schon Interesse an den World Trade Center-Hochhäusern gezeigt.

Sogar Architekt Libeskind, der Bauherr Silverstein schon verklagt und sich auch mit den anderen Zuständigen erbittert über die Veränderungen an seinem Masterplan gestritten hatte, macht gute Miene und lässt sich strahlend neben Silverstein fotografieren. Der Konsens sei doch das wichtigste. „Es war nie einfach, warum sollte es einfach sein, wir sind hier in New York“, sagt der mit dem Jüdischen Museum in Berlin bekanntgewordene Architekt. „Aber es wird sich wahrhaftig anfühlen, wir brauchen nur noch ein bisschen mehr Geduld.“

Für ihn, der als Teenager ohne englische Sprachkenntnisse mit seinen polnischen Eltern nach New York einwanderte, sei das ganze immer noch ein sehr emotionales Projekt, erzählt Libeskind. „Ich denke bei der Arbeit oft an meinen Vater, der als Drucker hier ganz in der Nähe gearbeitet hat, und nie das Glück gehabt hätte, in einem solchen Gebäude sein zu dürfen.“

Jeden Tag sehe er auf dem Weg zur Baustelle durch die Gebäude hindurch die Freiheitsstatue und fühle sich beflügelt. „Das Wichtigste an dem ganzen Projekt ist doch, dass einmal ein Kind hierherkommen und sagen kann: „Das ist fantastisch!““ Der graue Himmel über New York aber will an diesem Tag einfach nicht weichen. (dpa)