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Revier-Konzerne verzichten auf Regeln für Mails nach Feierabend

12.06.2012 | 19:19 Uhr

Essen.   Arbeitsministerin Ursula von der Leyen fordert klare Regeln für die Erreichbarkeit von Beschäftigten nach Dienstschluss. Als Vorbild gilt Volkswagen. Konzerne wie RWE, Thyssen-Krupp, Henkel und die Deutsche Post verzichten derzeit auf starre Vorgaben zum Umgang mit Mails und SMS.

Ein Zeichen hat Volkswagen gesetzt: Mehr als 1000 VW-Beschäftigte, die ein dienstliches Smartphone haben, sind mittlerweile nach Feierabend vor E-Mails vom Chef geschützt. Nachts haben die Blackberrys Sendepause. Details regelt eine Betriebsvereinbarung, die der Autokonzern mit den Arbeitnehmervertretern abgeschlossen hat. „Die Kollegen sollen nach getaner Arbeit auch ihre Ruhezeit als solche nutzen können“, heißt es zur Begründung.

Doch Absprachen wie diese sind selten in Deutschlands Unternehmen, weshalb sich nun auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) eingeschaltet hat. Die Ministerin forderte via Bild-Zeitung eindeutige Regeln für die Erreichbarkeit von Mitarbeitern per E-Mail, Anruf oder SMS: „In der Praxis heißt das zum Beispiel: Glasklare Regeln, zu welchen Uhrzeiten muss ich erreichbar sein und wann bekomme ich dafür meinen Ruheausgleich.“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht ebenfalls Handlungsbedarf. Die ständige Erreichbarkeit führe zu „erheblichen Problemen für die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber auch für die Wirtschaft selbst“, warnte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. So sei die Zahl psychischer Erkrankungen zuletzt massiv in die Höhe geschnellt.

Unternehmen wie der Essener Energieversorger RWE setzen derzeit auf einen „selbstverantwortlichen Umgang“ der Mitarbeiter mit Smartphones, Handys und Computern. „Es gibt bei RWE keine verbindlichen Regeln für die Erreichbarkeit der Mitarbeiter mit modernen Kommunikationsgeräten“, teilte der Konzern mit. „Auch Führungskräfte müssen nicht rund um die Uhr erreichbar sein. Aber natürlich gibt es Ausnahmesituationen wie heiße Projektphasen oder Krisensituationen, in denen ein Notfallmanagement greift und verschiedene Mitarbeiter eingebunden werden.“ Ähnlich ist die Praxis bei Thyssen-Krupp. „Abgesehen von unseren datenschutzrechtlichen Bestimmungen gibt es keine Vorschriften für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den Umgang mit Mails oder SMS-Nachrichten betreffen“, heißt es im Essener Industriekonzern. Von den Führungskräften werde allerdings erwartet, „dafür Sorge zu tragen, dass ihre Mitarbeiter in ihrer Freizeit auch tatsächlich Abstand von der Arbeit nehmen können“.

Auch der Düsseldorfer Chemieriese Henkel erklärte, es gebe im Konzern „keine weltweit einheitlichen Vorgaben zum Umgang mit E-Mails und zur Verwendung von Smartphones“. Die Deutsche Post verzichtet ebenfalls auf „starre Regeln“ in diesem Bereich.

Mails zu nachtschlafender Zeit

Lothar Schröder, Bundesvorstand der Gewerkschaft Verdi, plädiert dafür, klarere Grenzen zwischen Beruf und Privatleben zu ziehen. „Es darf nicht als Standard für jeden Job dazugehören, überall und jederzeit erreichbar sein zu müssen“, sagte Schröder dieser Zeitung. „Unternehmen sollten klar festlegen, dass Mails im Urlaub oder zu nachtschlafender Zeit nicht abgerufen werden müssen. Wir sollten das Thema auch in Tarifverhandlungen und Betriebsvereinbarungen branchengerecht aufgreifen.“

Annelie Buntenbach fordert „mehr Beratung, Kontrolle und im Zweifel auch Sanktionen für die Arbeitgeber“. Nur so könne sich die Erkenntnis durchsetzen, dass Unternehmen die Gesundheit der Beschäftigten besser schützen müssen. „Wohlklingende Appelle“ reichten dafür aber nicht aus. Eine Anti-Stress-Verordnung müsse deshalb die „klaren Regeln“ definieren, die auch Arbeitsministerin von der Leyen gefordert habe.

Ulf Meinke

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