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Prozess um pöbelnde Neonazis auf dem Weihnachtsmarkt

16.06.2012 | 06:00 Uhr

Dortmund.   Am zweiten Prozesstag gegen den Neonazi Sven K., der laut Anklage mit drei rechten Gesinnungsgenossen zwei türkische Jugendliche zusammengeschlagen hat, sagten gestern Zeugen aus. Eine Frau wurde zuvor auf dem Weihnachtsmarkt von pöbelnden Rechten angespuckt.

Betrunken pöbelten sie herum, beleidigten Passanten auf dem Weihnachtsmarkt. Und später, so sieht es die Anklage, schlugen und traten der Neonazi Sven K. , sein jüngerer Bruder Jan und zwei weitere rechte Gesinnungsgenossen am 26. November 2011 vor dem Restaurant „Alex“ zwei türkischstämmige Jugendliche zusammen.

Zweiter Prozesstag gegen den 24-jährigen Sven K. , der 2005 den Punker Thomas Schulz, genannt „Schmuddel“ erstochen und dafür sieben Jahre Jugendstrafe kassiert hatte. Gestern kamen zwar noch nicht die beiden verletzten 17-Jährigen als Zeugen zu Wort, dafür aber eine junge Frau. Und was sie erzählte, machte sprachlos. Es zeigt die Menschenverachtung dieser Clique, die an jenem Novembertag betrunken und pöbelnd über den Weihnachtsmarkt zog. Und dabei eine junge Frau in einer Form beleidigte, die an Widerlichkeit kaum zu überbieten ist.

„Ich war geschockt, das war total ekelig“

„Ich ging in Richtung Reinoldikirche, am Reibekuchenstand standen mehrere Männer. Und auf einmal spuckte mir einer von denen ins Gesicht.“ Die 22-Jährige mit den langen, blonden Haaren war „geschockt, das war total ekelig“. Mutig stellte sie die Clique damals mit den Worten „Hey, was soll das?“ zur Rede. Die Männer seien alle betrunken gewesen, einer habe zu ihr und ihrem Bekannten gesagt: „Wenn ihr in die HirschQ geht, bestellt mal schöne Grüße von Sven K.“

Überfall auf die Kneipe „HirschQ“

Die Kneipe „HirschQ“, Treff der linken Szene und Zielscheibe zahlreicher Übergriffe der Rechten . So hatte im Dezember 2010 nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft ein Schlägertrupp von zehn Anhängern der rechtsextremen Skinheadfront Dorstfeld die „HirschQ“ überfallen , darunter auch Sven K. Jener Prozess wegen schweren Landfriedensbruch und Körperverletzung steht noch an.

Zeugin kannte Sven K. und seinen Bruder Jan im Prozess wieder

Doch zurück zu den Vorfällen am 26. November auf dem Weihnachtsmarkt. Damals trug die 22-Jährige einen Sticker mit der Aufschrift „Gegen Rechts“ an der Jacke. „Ich bin aber ansonsten nicht politisch aktiv.“ Nachdem sie später in der Zeitung von dem Überfall auf die zwei Jugendlichen gelesen hatte, entschloss sie sich, zur Polizei zu gehen und die Spuck-Attacke anzuzeigen. Damals wurden ihr mehrere Fotos gezeigt, zwei Rechte erkannte sie darauf wieder. Im Prozess zeigte sie gestern auf Sven K. mit den Worten, er sei „ganz sicher“ dabei gewesen, sein jüngerer Bruder Jan (19) „wahrscheinlich“.

Der Prozess geht am 20. Juni weiter, ein Urteil wird zu Mitte Juli erwartet.

Rechte Szene im Jahr 2011

 

Kathrin Melliwa

Kommentare
16.06.2012
18:50
Prozess um pöbelnde Neonazis auf dem Weihnachtsmarkt
von xxyz | #7

In letzter Zeit gibt es immer mehr Gründe, die eine Untersuchung erfordern, wieso die Justiz nicht in der Lage ist, das Gefährdungspotenzial von...
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Prozess um pöbelnde Neonazis auf dem Weihnachtsmarkt
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https://www.derwesten.de/nrz/staedte/dortmund/prozess-um-poebelnde-neonazis-auf-dem-weihnachtsmarkt-id6770622.html
2012-06-16 06:00
Dortmund, Nazi, Sven K., Nationalsozialisten, Fremdenfeindlichkeit, Gericht, Prozess,
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