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Fortuna Düsseldorf erlebt Flautenserie auf hohem Niveau

06.02.2012 | 19:55 Uhr
Fortuna Düsseldorf erlebt Flautenserie auf hohem Niveau
Seit 499 Minuten trefferlos: Maximilian Beister (r.), hier im Duell mit Jose-Alex Ikeng, dem FCI-Torschützen beim 1:1 der Düsseldorfer in Ingolstadt.Foto: Michael Will/dapd

Düsseldorf.  Eine kleine Krux ist’s schon. Die Fortuna hat inklusive des DFB-Pokalachtelfinals gegen Meister Borussia Dortmund (4:5 nach Elfmeterschießen) seit vier Pflichtspielen nicht mehr gewonnen. Die kleine Magerquark-Serie mit den Spielen in Bochum (1:1) gegen Paderborn (2:3) und in Ingolstadt (1:1) zog allerdings keine unliebsamen Folgen nach sich. Vor dem Zweitliga-Kracher gegen Eintracht Frankfurt am kommenden Montag (20.15 Uhr, Arena, live auf Sport1 und im Ticker bei DerWesten) grüßen die Mannen von Cheftrainer Norbert Meier immer noch von der Tabellenspitze.

Meier fand mahnende Worte in der Kältekammer

Der Coach schlug nach der Punkteteilung in der Schanzer Kältekammer nahe der Donau trotzdem mahnende Worte an. „Wir sind zwar nicht die Mannschaft, die alles dominiert. Wenn man aber ein Spitzenteam sein will, muss man die glasklaren Chancen reinbringen!“ Meier hatte dabei natürlich jene Angreifer im Auge, denen es aktuell besonders schwer fällt, das gegnerische Netz auszubeulen.

Thomas Bröker beispielsweise, der auch in Ingolstadt die nominelle, fleißige Alleinspitze gab, wartet seit dem 4:2 über den Karlsruher SC vom 10. September auf einen Treffer. Seit 923 Zweitliga-Minuten ist das Konto des gebürtigen Meppeners blank. Gegen Frankfurt könnte es sogar, mindestens 77 erfolglose Einsatzminuten vorausgesetzt, vierstellig werden. „Wird langsam Zeit, dass sich das ändert“, versicherte der laufstarke Angriffsarbeiter schon im Trainingslager in San Pedro de Alcantara/Südspanien selbstkritisch. Kurzum: Ein Treffer täte dem Gemüt gut.

Fortuna
Langeneke rettete einen Punkt für die Fortuna
Langeneke rettete einen Punkt für die Fortuna

Fortuna hat die Tabellenspitze der 2. Fußball-Bundesliga erst einmal verteidigt. Und das war am Samstagnachmittag bei handgemessenen 16,2 Grad Celsius unter dem Gefrierpunkt keine Selbstverständlichkeit. Das 1:1 (1:1) beim gleich mit drei Winterzugängen startenden FC Ingolstadt 04 sorgte trotz der Eisschrank-Witterung zwischenzeitlich und auch nach dem Schlusspfiff für hitzige Mono- und Dialoge.

Kapitän Andreas Lambertz musste man nicht befragen. Seine Gelb-Rote Karte nur drei Spielminuten nach der ersten Verwarnung fiel eindeutig in die Kategorie „grobe Dummheit“.

„Lumpi“ macht den Kellner

Ob der Mittelfeldrackerer in dieser Woche ein reuiges Kabinenmahl schmeißen darf? „Wir sind schon zu einem Abendessen eingeladen, da wird ,Lumpi’ den Kellner machen“, erklärte Cheftrainer Norbert Meier süffisant. Und fügte zum Schubser gegen Spielverzögerer Ikeng an: „Auf dem Platz fühlst du dich fünf Sekunden im Recht. Und kriegst dann dein Ding um die Ohren gehauen.“

Meier regte schon mehr eine verbale TV-Schelte des Ingolstädter Managers Thomas Linke gegen Sascha Rösler und Maximilian Beister auf. „Ich bin es leid, dass unsere Spieler fortwährend an den Pranger gestellt werden“, giftete der Fortuna-Coach zurück, „wir sind hier in der zweiten Bundesliga und nicht in Österreich. Da muss sich jemand wohl noch umgewöhnen.“ Zum Verständnis: Linke war bis vergangenen Mai vier Jahre Sportdirektor beim Europa-Cup-Starter RB Salzburg.

Eine neue Erfahrung

Gerade Rösler stand am Samstag jedoch im Blickpunkt, sorgte durchaus provokant für Stimmung. Die nach diversen Scharmützeln zunächst in einem Zusammenstoß mit Dauerwidersacher Leitl und zwei Gelben Karten mündete (59.). Zehn Minuten später in einer vermeintlichen Revanche-Attacke Leitls am Blondschopf vor der FCI-Fankurve gipfelte. „Was der Rösler hier veranstaltet hat, war für mich eine neue Erfahrung“, grantelte Leitl später in der Interviewzone.

Coach Meier war jedenfalls gut beraten, seinen Antreiber kurz nach dem zweiten Crash vom Feld zu holen. Lambertz’ Sperre gegen Eintracht Frankfurt am nächsten Montag ist Schwächung genug.

Der überaus fehlerhafte Referee Tobias Christ aus Kaiserslautern machte sich das Leben selber schwer, weil er in den 20 Anfangsminuten bei fünf klaren Fouls nicht einmal den Karton gezückt hatte. Möglicherweise wäre die Hektik im Keim erstickt, hätte Christ gleich den üblen Tritt des rustikalen Biliskov an Rösler nach genau 22 Spielsekunden mit „Gelb“ bewertet. „Wir wollten aggressiv sein, das haben wir gemacht“, versuchte FCI-Trainer Thomas Oral die Gangart zu rechtfertigen.

Fortunas Abwehrchef Jens Langeneke regte sich hinterher, zurecht, über eine schwache Schiedsrichterleistung auf: „Das war hier elf Gelbe gegen zwölf Schwarze!“ Der Ausgleichstorschütze – Langenekes achter Elfmetertreffer der Saison – legte seine Wertung jedoch nicht korrekt aus. Das Strafstoß-Foul von Biliskov an Oliver Fink war zumindest diskussionswürdig. Dazu hätte Adam Bodzek nach einem Foul als vermeintlich letzter Mann am eigenen Strafraum auch einen Feldverweis bekommen können. Hier beließ es Christ bei „Gelb“.

Es war auch irgendwie müßig, hinterher die Entscheidungen gegeneinander aufzuwiegen. Ärgerlicher aus Fortuna-Sicht waren der Gegentreffer und die glasklare Chance zum 2:1 kurz nach der Pause durch Maximilian Beister. Die HSV-Leihgabe drosch die Kugel freistehend vor FCI-Keeper Özcan unter das Tribünendach.

Gunesch verpasste 2:1

„Da wäre die Messe gesungen gewesen“, bekräftigte Coach Meier, „beim Rückstand hat die Zuordnung völlig gefehlt. Und ,Rata’ muss das Ding natürlich auch haben.“

Dass am Ende niemand wirklich biestig die Heimreise antrat, war Ingolstadts St. Paulianer Gunesch zu verdanken. Der versemmelte die einzige wirklich dicke Gastgeber-Chance in Überzahl. Dies in der 90. Minute aus fünf Metern Zieldistanz unbedrängt im Fortuna-Strafraum.

Namen und Zahlen

FCI: Öczan – Schäfer, Gunesch, Biliskov, Görlitz – Ikeng (88. Haas), Matip – Buchner (82. Akaichi), Leitl (88. Bambara) – Heller, Nemec.

Fortuna: Ratajczak – van den Bergh (90. Juanan), Langeneke, Lukimya-Mulongoti, Levels – Lambertz, Bodzek – Fink, Rösler (75. Jovanovic), Beister (80. Matuschyk) – Bröker.

Schiedsrichter: Tobias Christ (TB Jahn Zeiskam/Kaiserslautern).

Zuschauer: 6585.

Tore: 1:0 (24.) Ikeng, 1:1 (30.) Langeneke (Foulelfmeter).

Gelbe Karten: Leitl, Ikeng – Bodzek (9.), Rösler (8.).

Gelb-Rote Karte: Lambertz (67. Min., wegen Tätlichkeit; damit gegen Eintracht Frankfurt gesperrt).

Eckbälle: 3:1 (2:0).

Torchancen: 6:4 (3:2).

Torschüsse: 11:13.

Ballbesitz: 52:48 Prozent.

Gewonnene Zweikämpfe: 49:51 Prozent.

Foulspiele: 16:12.

Samstag in Ingolstadt wäre es schon fast so weit gewesen. Eine weite Flanke von Linksverteidiger Johannes van den Bergh flog in der zwölften Spielminute zielgenau auf Brökers Schopf. Doch der bekam am hinteren FCI-Torpfosten nicht den nötigen Druck auf den Ball, um das Objekt der Begierde im Eck zu versenken. Die meisten Fortunen in der entfernten Fankurve hatten die Kugel schon im Ziel gewähnt. Doch Ingolstadts österreichischer Nationalkeeper Ramazan Özcan (2011 aus Hoffenheim an die Donau gewechselt) stand zugriffsbereit parat.

Maximilian Beisters trefferlose Statistik weist 499 Minuten aus. Ist aber umso bemerkenswerter, weil man beim mittlerweile wertvollsten Fortunen auch andere Maßstäbe anlegen muss. Der Blondschopf versichert zwar, dass seinem Kopf die aktuelle Torflaute nicht ausmache. Acht Tore und elf Vorlagen sind auch nach 20 Zweitliga-Spielen nicht schlecht.

Das üble Geschoss am vergangenen Samstag kurz nach der Pause sprach eher gegen eine kleine Kopfblockade, die auch mit der sich weiter hinzögernden Vertragsentscheidung mit dem Hamburger SV erklärbar wäre. Frei vor dem FCI-Gestänge drosch Beister die dickste Fortuna-Chance der zweiten Halbzeit unter das Sportpark-Dach. Und dies nach nur vier Spielminuten. „Da wäre“, meinte jedenfalls Cheftrainer Meier hinterher, „die Messe wohl schon zeitig gesungen gewesen.“

Fortuna hat seit 4. Dezember nicht mehr voll gepunktet

So dehnten sich zwei persönliche Flautenserien. Und dazu der Fakt, seit dem Rückrundenschluss in Duisburg am 4. Dezember nicht mehr voll gepunktet zu haben. Fortuna in der Mini-Krise? Die Tabelle spricht (noch) dagegen!

Michael Ryberg


Kommentare
06.02.2012
23:28
Der feine Herr Rösler
von bengel2 | #1

Was Linke und jetzt auch Armin Veh über Herrn Rösler erzählen, das kann man, wenn man mal 3, 4 Spiele der Fortuna in voller Länge gesehen hat, nur unterschreiben. Der Kollege geht gar nicht. Da gibt es auch trotz Marin und Jarolim zur Zeit nichts Vergleichbares in Liga 1 und 2. International würde mir da höchstens noch Inzaghi einfallen, der ein ähnlich tadelloser Sportsmann ist.

Wenn Fortuna aufsteigt, wird sich das Thema Rösler schnell von alleine erledigen. Denn sportlich wird Rösler in der Bundesliga auch dieses Mal kein Bein auf die Erde kriegen. Zu langsam. Zu hüftsteif. Nach 17 Spielen auf der Bank vielleicht noch ne Ausleihe nach Erzgebirge Aue. Und dann war es das auch schon mit der stolzen Karriere.

1 Antwort
Fortuna Düsseldorf erlebt Flautenserie auf hohem Niveau
von cogitoergosum | #1-1

Nun ja: Nomen est omen.

Wer sich selbst abwertend als kleinen, frechen, unreifen Jungen bezeichnet, .......

Was wohl der Spieler Linke, der Trainer Veh oder der Schreiber Bengel über den Spieler Rösler sagen würden, wenn er nicht beim Gegner, sondern in der eigenen Mannschaft spielen würde?

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