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Prozesse

Kinder mussten klauen

09.02.2010 | 19:45 Uhr

Essen. Vier Jahre lang blieb er verborgen, dann lieferte ihn Frankreich aus. Seit Dienstag muss sich der 28 Jahre alte Pedrag J. vor dem Landgericht Essen verantworten. Er gilt als einer der Hintermänner, die Kinder zum Klauen zwangen.

Er bedauere, dass er zwei Ju­gendliche im Sommer 2005 zu Häusern im Ruhrgebiet fuhr, damit sie dort einbrachen, lässt der Angeklagte seine Verteidigerin Edith Lunnebach erklären. Wirkliche Reue hört sich anders an. Er will auch nur zehn der 21 angeklagten Taten begangen haben.

Vier Jahre nach der ersten Razzia kommt das Essener Ermittlungsverfahren zum Ab­schluss. 2005 hatte die Polizei Telefonate abgehört und so eine gute Beweislage gegen die Hintermänner der Klau-Kids geschaffen. Es sind in Frankreich, Deutschland und Ex-Jugoslawien lebende serbische Roma - Mütter und Väter sowie Bekannte -, die ihre Kinder regelrecht zum Klauen abrichten. Von zwei Wohnungen in Altenessen aus fuhren morgens acht bis 14 Jahre alte Kinder zu den Hauptbahnhöfen im Ruhrgebiet. Dort suchten sie Opfer und stahlen im künstlich hergestellten Ge­drän­ge Geldbörsen. Per Handy dirigierten Erwachsene sie, machten Druck bei niedriger Beute. Fasste die Polizei mal einen Dieb, musste sie ihn wegen Strafunmündigkeit im Grunde wieder laufen lassen.

In den seit 2006 laufenden Prozessen machte sich ein ums andere Mal Fassungslosigkeit über die Bräuche innerhalb der Bande breit. Nicht nur, dass Kinder geschlagen wurden, damit sie mehr klauten. Minderjährige Mädchen, so war zu hören, wurden „nach Zigeunerart“ für 10.000 Euro an ein männliches „Klau-Kid“ verkauft. Für eine „Super-Diebin“ gab es 120.000 Euro.

Ältere Kinder setzte die Bande zu Einbrüchen ein. Morgens fuhr etwa der jetzt angeklagte Pedrag J. sie zum Einsatzort. Dort stahlen sie Geld oder Laptops, ließen auch schon mal einen Tresor per Taxi nach Essen bringen. Zehn Taten räumt J. ein, nachdem die VII. Strafkammer ihm für ein Geständnis zwei­einhalb Jahre Haft zusichert. So ganz zufrieden scheint Richter Rudolf Fink mit der Aussage nicht zu sein. Am Freitag will das Gericht mit der Vernehmung eines Polizisten prüfen, wie wahr das Geständnis ist.

Stefan Wette

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2010-02-09 19:45
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