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Die Prinzen (die eigentlich nie weg waren) sind wieder da

Die Prinzen (die eigentlich nie weg waren) sind wieder da

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Foto: Olaf Heine
Neues Album, neue Tour und im Fernsehen sind die ehemaligen Thomaner auch zu hören. Aber von einem „Comeback“ wollen die Prinzen nicht sprechen.

Köln. 

Der Tag ist noch jung, aber den ersten Auftritt haben die beiden Prinzen Tobias Künzel und Sebastian Krumbiegel bereits hinter sich. „Interview beim Fernsehen“, sagt Künzel während er durch das Kölner Hotelfoyer schlendert und entschuldigt seinen Mitstreiter: „Sebastian kommt gleich. Er packt noch.“ Denn in einer Stunde müssen sie schon weiter. In Kameras lächeln, Fragen beantworten. Wie das so ist, wenn man gerade ein neues Album auf den Markt gebracht hat und noch dazu mitmacht in „Sing meinen Song“, einer der derzeit erfolgreichsten Shows des deutschen Fernsehens.

60 bis 80 Auftritte im Jahr

„Ja,“, sagt Künzel über die Promotion-Tour, „es ist das alte Spielchen.“ Sie haben es nur längere Zeit nicht gespielt, die ehemaligen Thomaner, die seit fast 25 Jahren als singender Königsnachwuchs zusammen auf der Bühne stehen. Lange zählten sie zu den erfolgreichsten Bands des Landes, die letzten sieben Jahre allerdings gab es kaum etwas Neues zu hören. Dennoch wollen weder Künzel, noch der mittlerweile dazu gestoßene Krumbiegel von einem „Comeback“ sprechen. „Wir waren ja nie wirklich weg.“

Unterwegs sind sie. „Zwischen 60 und 80 Auftritte haben wir pro Jahr“, schätzt Krumbiegel. Mal in kleinerem Kreis bei den so genannten Kirchenkonzerten, wie am 15. September in der Evangelischen Altstadtkirche in Gelsenkirchen, mal in herkömmlichen Hallen. Nicht mehr wie einst vor 10.000 Leuten, „aber 5000 Besucher kommen oft“. Tendenz eher steigend. Denn seit Künzel und Krumbiegel beim Tauschkonzert von Vox mitmachen sind Songs wie „Küssen verboten“ oder „Millionär“ wieder in aller Ohren. Klar sei die mehrwöchige TV-Präsenz gute Promotion, räumt Künzel ein. „Aber das neue Album war schon vorher geplant.“

Das „Familienalbum“ mit Aufnahmen aus Mallorca

Nach Mallorca haben sie sich dafür im vergangenen Jahr zurückgezogen und neue Songs geschrieben. An Ideen habe es nicht gemangelt, sagt Krumbiegel. „Man muss nur aufpassen, dass man sich nicht wiederholt, wenn man schon so lange Musik macht.“ Das erklärt vielleicht auch, warum die neue Single „Er steht im Regen“ überraschend melancholisch klingt. „So etwas hatten wir noch nicht und wir dachten, es wird mal Zeit für so eine Nummer.“ Ganz neu präsentiert sich die Band dennoch nicht. „Man hört schon, dass wir es sind.“

Neue Kontakte sind bei der Vox-Show in Südafrika auch entstanden, alte wurden vertieft und manchmal sind echte Freundschaften daraus geworden. Als die Prinzen Anfang des Monats mit Chor und Orchester im Leipziger Opernhaus zu Gast waren, haben auch Xavier Naidoo und Andreas Bourani mit auf der Bühne gestanden. „Wir hören immer noch täglich voneinander“, sagt Krumbiegel und rollt zum Beweis auf seinem Smartphone durch die Kurznachrichten.

„Familienalbum“ heißt ihr jüngstes Werk

„Familienalbum“ heißt das neue Album der Prinzen. Kein Zufall. Für Krumbiegel ist die Band, zu der auch Wolfgang Lenk, Jens Sembdner, Henri Schmidt, Mathias Dietrich und Alexander „Ali“ Zieme gehören, „ein wenig wir eine Familie“. „Tobias kenne ich seit 42 Jahren. Mit Wolfgang bin ich seit der vierten Schulklasse befreundet. Henri kam ein Jahr später dazu. Wir fühlen uns eher wie Brüder.“ Manchmal, gibt Künzel zu, gehe man sich dennoch auf die Nerven. „Dann nehmen wir uns ganz bewusst eine Auszeit“, verrät Krumbiegel. „Das hat bisher immer geklappt.“

Natürlich geht es auch um Geld. „Wir müssen ja von der Band leben“, gibt Künzel zu bedenken und spricht deshalb grinsend auch von einer „sehr familiären Zweckgemeinschaft“. Krumbiegel nickt. Stimmt schon, ist aber nicht der einzige Grund für die Beständigkeit in der Band. „Wir können alle immer noch gut zusammen lachen“, sagt Krumbiegel. Das ist wichtig für ihn, denn: „Wenn ich selber keinen Spaß habe, kann ich auf der Bühne auch keinen verbreiten.“ Und eine gute Show ist wichtig für den Sänger und die Band. „Wir spielen“, sagt er, „jedes Konzert, als ob es das letzte wäre.“