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Zwischen Washington und Wüste

22.11.2008 | 10:53 Uhr

Düsseldorf. Krisenhopping im amerikanischen Anti-Terror-Kampf mit Starbesetzung: Ridley Scotts "Der Mann, der niemals lebte" mit Leonardo DiCaprio und Russell Crowe.

Sehen sich im Film nur selten: CIA-Führungsoffizier Ed Hoffmann (Russell Crowe, li.) und sein Nahost-Spion Roger Ferris (Leonardo DiCaprio). (Foto: Warner)

Der Krieg gegen den Terror wird inzwischen auch von zu Hause aus geführt. Geheimagent Ed Hoffman gibt seine ersten Einsatzbefehle frühmorgens, während er die Kinder ins Badezimmer scheucht. Beruf und Familie sind vereinbar im Leben dieses hochrangigen CIA-Mannes. Und den um 25 zusätzliche Kilos aufgequollenen Russell Crowe dabei zu beobachten, wie er mit Headset am Ohr das amerikanische Alltagsleben zwischen Schulhof und Shopping organisiert und gleichzeitig den Mittleren Osten im Blick hat, ist kurios und sehenswert.

Ridley Scott hat mit "Der Mann, der niemals lebte" einen Thriller entworfen, der von Schnitten, Sprüngen und Gegensätzen lebt, dem virtuellen und dem realen Handeln. Immerzu wechselt der Film zwischen Washington und Wüste, zwischen Dabeisein und Dirigieren. Und während Hoffman aus sicherer Entfernung dank modernster Kommunikationstechnik den Anschein von Überblick wahrt, ist sein junger CIA-Kollege Ferris mittendrin im mörderischen Konflikt. Wenn er seine Instruktionen via Handy empfängt, schaut er oft nach oben, als werde er von einem höheren Wesen geführt, aber da ist nur eine Satellitenkamera. Sein irdisches Spionagedasein bestimmt dagegen nicht Hightech, sondern Intrige, Folter, Mord.

Crowe mit Übergewicht, DiCaprio mit Biss

Info
Der Mann, der niemals lebte

Deutscher Kinostart: 20. November 2008

Regie: Ridley Scott

Darsteller:Leonardo DiCaprio, Russell Crowe, Mark Strong, Golshiften Farahani, Oscar Isaac u.a.

Trailer

Bilder zum Film

Leonardo DiCaprio spielt sehr physisch diesen Ferris, der sich chamäleonartig an seine Umgebung anpassen kann, mit Fusselbart und arabischen Sprachkenntnissen. Er liquidiert Verbündete, wenn nötig, verhandelt mit dem smarten jordanischen Geheimdienstchef Hani (imposant: Mark Strong) und verliebt sich eine jordanische Krankenschwester, die seine Wunden versorgt, die er sich bei seinen Einsätzen holt. Manchmal erinnert dieser Ferris an Jason Bourne, der nicht bloß reagiert, sondern agiert und erst spät merkt, wohin sein femdgelenktes Handeln führt. Der Trick, durch Vortäuschung eines eigenen Terrornetzwerks die Gegner aus der Deckung zu locken, ist der Clou der Geschichte nach der Vorlage von David Ignatius. Doch er verliert sich fast in dem wilden Gestrüpp aus Verschleierung, Täuschung und Verschwörung.

Wie komplex darf ein Film sein, der nicht als Imagewerbung des Verteidigungsministerium daherkommt, sondern die Überlegenheit des militärischen Überwachungsapparates in Zweifel zieht? Diese Frage hat schon Stephen Gaghans Politthriller "Syriana" aufgeworfen. Und auch Regie-Altmeister Scott ("Blade Runner"/ "Black Hawk Down") übermannt den Zuschauer mit einem atemlosen Krisen-Hopping zwischen Irak, Jordanien, Dubai und der Türkei, das Reflexion kaum zulässt.

Es ist eine Schwäche des Films und gleichzeitig auch eine Stärke: Er offenbart die Desorientierung einer westlichen Gesellschaft, die noch glaubt, durch das Draufsehen und Überwachen die Weltlage überschauen zu können. Aber dann kommt der Feind einfach mit drei Geländewagen, wirbelt mächtig viel Wüstenstaub auf, entführt Ferris und prescht in alle Winde davon. Und in diesem Moment der Orientierungslosigkeit hilft Hoffman keine Satellitenanlage und kein Zynismus mehr. Amerikanische Allmacht hat Empfangs-Grenzen.

Martina Schürmann

Kommentare
22.11.2008
23:27
Zwischen Washington und Wüste
von ExLeprakranker | #1

Komme grad aus dem Kino : netter Thriller mit Blut in überschaubaren Maßen , einem amüsanten Russell Crowe ( welcher Designer hat diesen Schmuddellook...
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Zwischen Washington und Wüste
Zwischen Washington und Wüste
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https://www.derwesten.de/nrz/kultur/kino/zwischen-washington-und-wueste-id1359618.html
2008-11-22 10:53
Kino