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Das Kunstwirtschaftswunder von Hannover

16.03.2008 | 19:36 Uhr

Hannover. Der Schokoladenfabrikant und die Galerien: Das Sprengel-Museum blickt zurück auf die 1960er-Jahre der Stadt.

"Künstler, Galerie und Straßenkunst", - das Sprengel-Museum Hannover blickt auf die 60er-Jahre zurück. Da gab es in Hannover mit dem Schokoladenfabrikanten Bernard Sprengel erstmals einen Sammler, der seine private Kunstsammlung öffentlich zeigte. Und diese Kollektion der Moderne 1969 der Stadt Hannover vermachte, nebst 2,5 Millionen DM für den Bau des heutigen Museums. Glänzten hier nicht auch Galerien mit dem richtigen Riecher für kommende Großkünstler à la Gerhard Richter und Siegmar Polke? Verbinden sich mit der Stadt nicht prägende Kunstenthusiasten wie Wieland Schmied, der seit 1963 zehn Jahre lang die Avantgarde nach Niedersachsen schleuste, oder wie Manfred de la Motte, der als Kunstvereinsdirektor das Experiment Straßenkunst ins Rollen brachte?

Hannovers Kunstgeschichte brilliert: 100 Werke von 30 Künstlern, dazu Doku-Material und Kabinette über die einst bahnbrechenden Galerien Brusberg, Seide, Haseke und Ernst skizzieren das Panorama.

Handgeschriebene Preisliste

Ein echtes Schätzchen der Ausstellung: Eine handgeschriebene Preisliste. Gerhard Richters heute im Museum Schloss Morsbroich beheimateter "Tiger", er sollte 1966 weniger als 2000 DM kosten. Peanuts, wenn man den aktuellen Kurs für Richter-Bilder kennt. Auch Sigmar Polke, Gotthard Graubner, Arnulf Rainer oder die Gruppe Zero kann sich glücklich schätzen wegen Hannover - es waren unter anderem die besagte vier Galerien, die heutige Vorzeigekünstler früh protegierten auf ihrem Weg zur Weltrang-Bestenliste.

Doch wo bleibt die versprochene Kunst auf der Straße? Nur am Rande, leider, dokumentiert von ein paar Fotos: die freie, die unkonventionelle Szene. Das spannendste Kapitel sieht man kleingehalten. Einzig die Mini-"Nana" von Niki de Saint Phalle steht bunt und drall und tänzerisch für ein Aufbegehren gegen Musentempel und Sittsamkeit.

Das vom 2005 verstorbenen Manfred de la Motte hier einst aus der Taufe gehobene Projekt einer Kunst, die öffentlich und unter freiem Himmel in die Stadt eingreift und somit der seit 1977 etablierten Münsteraner Skulptur.Projekte den Weg wies, fehlt auch. Es wäre ein Highlight gewesen. So aber zeigt die Sprengel-Schau vor allem, dass Hannovers 60er ein erstaunliches Wirtschaftswunder waren. (NRZ)

Bis 30. März Der informative Katalog, 200 Seiten stark, kostet 15 €.

Claudia Posca

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