Wimbledon: Der Maestro siegt weiter - Federer fehlt ein Schritt zum Rekordsieg

Steht zum elften Mal im Finale von Wimbledon: Roger Federer.
Steht zum elften Mal im Finale von Wimbledon: Roger Federer.
Foto: Getty Images

London. Er ist nur noch einen Schritt vom traumhaften Rekordsieg entfernt, vom Schlag in die Unsterblichkeit von Wimbledon: Mit der nächsten eindrucksvollen Tennis-Demonstration beim 7:6 (7:4), 7:6 (7:4), 6:4-Halbfinalerfolg gegen den Tschechen Tomas Berdych rückte Maestro Roger Federer souverän in sein elftes Endspiel (Sonntag, 15 Uhr/Sky) an der Church Road vor und darf nun mehr denn je von der alleinigen Bestmarke von acht Titelgewinnen träumen.

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„Ich bin glücklich, dass ich im richtigen Moment mein bestes Tennis spiele. Dort, wo es für mich am meisten zählt“, sagte Federer am Freitagabend. Nur noch einer kann den Schweizer jetzt bei seiner historischen Grand-Slam-Mission aufhalten: Kroatiens Marin Cilic, der sich im zweiten Vorschlussrunden-Duell mit 6:7 (6:8), 6:4, 7:6 (7:3) und 7:5 gegen Sam Querrey (USA) durchgesetzt hatte.

Im vergangenen Jahr hatten sich Federer und Cilic ein spektakuläres Viertelfinalmatch hier im Südwesten Londons geliefert, damals wendete Federer ein verloren geglaubtes Spiel nach 0:2-Satzrückstand und nach Abwehr von drei Matchbällen noch zu seinen Gunsten. „Ich muss hochkonzentriert sein im Finale, es ist nicht so, dass mir der Titel wie ein Geschenk in den Schoß fällt“, sagte Federer.

Cilic schob dem Rasenflüsterer allerdings klar die Favoritenrolle zu: „Er spielt in diesem Jahr das beste Tennis seiner Karriere in Wimbledon. Es wird eine Schlacht gegen ihn“, sagte Cilic. Elf Anläufe brauchte der 28-Jährige, um erstmals das bedeutendste Finale der Tenniswelt zu erreichen – auch dies ein Rekord.

Doch ob zum ersten Mal seit 2003, seit Federers erstem von bisher sieben Siegen, ein Spieler außerhalb der großen Vier (Federer, Nadal, Djokovic, Murray) in Wimbledon triumphieren kann, erscheint fraglich. Zu überzeugend, zu sehr auch von sich und seiner Mission überzeugt wirkt der imponierende Teilzeitarbeiter Federer bisher – der Mann, der alle Sinne und Energien auf eine erfolgreiche Titeljagd in Wimbledon gerichtet und auf die gesamte Sandplatzserie verzichtet hatte. Als zweitältester Spieler nach dem Australier Ken Rosewall rückte er nun im Alter von 35 Jahren – wie im großen Masterplan auch erträumt und vorgesehen – ins Endspiel vor, in sein sage und schreibe 29. Grand Slam-Finale.

Gewinnt Federer am Sonntag, geht er als ältester Sieger in die Annalen des All England Club ein, als Champion, der 14 Jahre nach seinem ersten Coup mit Anfang Zwanzig den Pokalgewinn wiederholt. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal eine so lange und so große Karriere haben würde“, sagte Federer.

Veredelung aller Anstrengungen

Federer ist ein Muster an Konstanz auf höchstem Niveau – und auch zu Unerwartetem in der Lage. So wie bei Grand Slam-Titel Nummer 18 zu Jahresbeginn in Melbourne. Dieser Triumph kam aus dem Nichts nach einer sechsmonatigen Verletzungspause heraus – gegen den ewigen Weggefährten Rafael Nadal.

Doch ein weiterer Titel in Wimbledon würde zum einsamen Höhepunkt in den späten Berufsjahren des Tennis-Ästheten reichen. „Ein Sieg hier ist mit nichts zu vergleichen“, sagt Federer. Doch nun wäre ein Triumph auch eine Veredelung all der Anstrengungen, die der Familienvater in den letzten, nicht immer einfachen Spieljahren im Wanderzirkus unternahm. Als er zwischenzeitlich auch in Wimbledon nicht mehr wie selbstverständlich gesiegt hatte, waren schon Stimmen laut geworden, er solle seine Karriere lieber beenden.

Den Frauen gehört der Samstag

Doch Federer zeigte den Schmährednern und Untergangspropheten eindrucksvoll, dass er mit der nötigen körperlichen Fitness und Frische noch immer eine Klasse für sich ist. Ein Jahr nach dem von Verletzungsproblemen überschatteten Wimbledon-Gastspiel war Federer wieder auf der Höhe seiner Kunst.

Doch vor dem Männerfinale am Sonntag stehen am Samstag (15 Uhr/Sky) zunächst die Frauen im Mittelpunkt. Im Endspiel begegnen sich die fünfmalige Wimbledonsiegerin Venus Williams aus den USA und die Spanierin Garbiñe Muguruza. „Ich klopfe an die Tür zum Titel. Ich möchte noch einen Schritt weiter gehen“, kündigte Williams vor dem Finale an.

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