Wo die Asylpolitik der EU untergeht

Durch das Flüchtlingschaos am Eurotunnel in Calais geraten die Spediteure aus NRW unter Druck. Viele Fahrer verweigern die Tour nach Großbritannien.
Durch das Flüchtlingschaos am Eurotunnel in Calais geraten die Spediteure aus NRW unter Druck. Viele Fahrer verweigern die Tour nach Großbritannien.
Foto: Etienne Laurent/dpa
Die Fuhrunternehmer müssen hilflos mit ansehen, wie sich verzweifelte Menschen auf ihren Ladeflächen festkrallen – und Europas Asylpolitik untergeht.

Wer nach dem Fall des Eisernen Vorhangs im offenen Europa noch einmal doppelreihige Stacheldrahtzäune erleben will, sollte nach Calais fahren. Der Anblick der kilometerlangen Sicherheitszäune, die Flüchtlinge hindern sollen, auf die Zufahrtsstraßen zum Kanaltunnel und zum Hafen zu gelangen, ist schockierend. So wie die in der Dünenlandschaft verstreuten wilden Flüchtlingscamps.

Tausende Menschen hausen dort unter unwürdigen Umständen, weil ihnen von skrupellosen Schleppern das Blaue vom Himmel versprochen wurde, sollten sie denn je britischen Boden erreichen. Bei den Versuchen dazu gab es schon Tote.

Die englische Sprache und der laxe Umgang britischer Behörden in der Bekämpfung von Schwarzarbeit – auch das hat das Vereinigte Königreich „attraktiv“ gemacht für illegal Einreisende. Skandalös ist, wie brachial die Verantwortlichen dies- und jenseits des Kanals auf die Misere reagieren: mit neuen Zäunen und mehr Polizei.

Ausbaden dürfen das jetzt auch all diejenigen Fuhrunternehmer, die hilflos mit ansehen müssen, wie sich verzweifelte Menschen auf ihren Ladeflächen festkrallen – und Europas Asylpolitik dabei untergeht.

 
 

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