Wir brauchen keine Elitenförderung

Eliteförderung? Für viele hat das einen Beigeschmack. Aber es ist gut, den Nachwuchs fürs Spitzenpersonal zu sichern, kommentiert Julia Emmrich.

Eliteförderung? Das hört sich nach Auslese an, nach Ungerechtigkeit und Zwei-Klassen-Pädagogik. Das Wort „Elite“ hat für viele Deutsche einen Beigeschmack. Doch selbstverständlich gibt es auch hierzulande Eliten. Deutschland hat politisches, wissenschaftliches, unternehmerisches Spitzenpersonal. Gut so. Und gut ist es auch, den Nachwuchs für dieses Spitzenpersonal zu sichern.

Wenn Bund und Länder nun 125 Millionen Euro ausgeben, um in ausgewählten Schulen leistungsstarke Schüler zu fördern, dann scheint das auf den ersten Blick klug. Die Frage ist nur: Braucht das Land wirklich ein eigenes Förderprogramm für begabte Schüler? Eltern können leistungshungrige Kinder früher einschulen oder Klassen überspringen lassen, und sie können sich Schulen aussuchen, die mit einem besonderen Unterrichtsprofil Begabungen fördern.

Die Antwort ist deshalb: nein. Wir brauchen keine Extra-Förderung für Einserschüler. Was wir brauchen, ist eine flächendeckende, hochwertige Förderung aller Kinder. Weil jedes Kind bei der richtigen Förderung auf seine Weise auch leistungsstark sein kann. Und weil eine robuste, vielfältige, zeitgemäße Elite immer viel mit hoher Durchlässigkeit im Bildungssystem zu tun hat und wenig mit dem Stärken der eh schon Starken.

Statt Eliteprojekte auszuhecken, sollten Bund und Länder deshalb den großen Wurf wagen, sich vom Bildungsföderalismus verabschieden und dem Bund ermöglichen, Schulen systematisch unter die Arme zu greifen.

 
 

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