Pressefreiheit

Was unsere Abonnenten leisten

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Essen.. Ein Frühindikator für das drohende Sterben von Demokratien ist die Schwächung der Pressefreiheit. 2015 war in dieser Hinsicht kein gutes Jahr, und 2016 dürfte nicht viel besser werden. Wenn es Journalisten an den Kragen geht, sind nicht selten Regierungen am Werk, die auf unabhängige Kritik und Kontrolle gern verzichten wollen. Der „lupenreine Demokrat“ in Russland etwa zeigt schon länger, wie das geht. Sein (neuer) Erzfeind in der Türkei ist aus dem gleichen Holz. Auch in der direkteren Nachbarschaft Deutschlands, in Ungarn und Polen, verdeutlichen nationalistische Machthaber, was sie von kritischer Berichterstattung halten: nichts.

Doch es gibt auch andere Einflüsse, die die Pressefreiheit gefährden. Die Jahresbilanz von „Reporter ohne Grenzen“ führt 110 getötete Journalisten auf und nennt in einem Atemzug die Haupt-Tatorte Irak, Syrien, Libyen – und Frankreich. Frankreich? Dort waren bei dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ acht Journalisten ums Leben gekommen. Das zeigt, dass auch die diffus gestiegene Terrorgefahr ganz unmittelbar eine Bedrohung für die Pressefreiheit darstellen kann.

Pressefreiheit – das ist in erster Linie ein Abwehrrecht gegen den Staat. Eine Zensur der Medien darf nicht stattfinden. In Deutschland regelt das zuverlässig Artikel 5 des Grundgesetzes. In kaum einem Land geht es den Journalisten in dieser Hinsicht so gut wie bei uns. Noch. Denn es mag zwar paradox klingen, aber die am schnellsten wachsende Gefahr geht hierzulande von einem Übermaß an Umsonst-Information aus – Information, die interessengeleitet und manipulativ ist, Information, der es mehr um den Effekt als um Wahrhaftigkeit geht. Vor allem mit Hilfe der sozialen Netzwerke im Internet verbreiten sich rasend Gerüchte und Verschwörungstheorien, die wie ganz normale Fakten aussehen, die aber nicht journalistisch geprüft sind, das heißt: im Bemühen um Objektivität ausgewählt und recherchiert. Wikipedia ist eben kein „kostenloser Brockhaus“, und Facebook ersetzt nicht die seriöse, aufwändig erstellte Tageszeitung.

Zeitungsabonnenten wissen das zum Glück. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Pressefreiheit. Vielen Dank dafür, und auf ein gutes, ein besseres neues Jahr!

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (22)