Was Hoffenheim von Leipzig unterscheidet

Reinhard Schüssler
Hoffenheim ist für ihn eine Herzensangelegenheit: Dietmar Hopp.
Hoffenheim ist für ihn eine Herzensangelegenheit: Dietmar Hopp.
Foto: dpa
RB Leipzig und 1899 Hoffenheim mischen die Bundesliga auf. Hinter dem Erfolg stehen zwei Milliardäre, deren Motive höchst unterschiedlich sind.

Beim Blick auf die Bundesliga-Tabelle graust es in diesen Tagen vielen Fußballfans. Wobei HSV-Anhänger hier ausdrücklich nicht gemeint sind. Die kann nichts mehr erschrecken. Der FC Bayern an der Spitze lässt inzwischen auch so ziemlich jeden kalt. Aber auf den Rängen zwei und drei RB Leipzig und 1899 Hoffenheim – das ist dann doch zu viel für manchen Fußballfreund, der sich als Traditionalist versteht.

Nun kann jeder seine Sympathien verteilen wie er will. Aber Leipzig und Hoffenheim in einen Topf zu werfen, verbietet sich. Weil es den Unterschied zwischen einem Sponsor beziehungsweise Investor und einem Mäzen ignoriert. Während Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz in Leipzig den Fußball seit 2009 als reines Marketing-Projekt für sein Produkt benutzt, ist das mehr als 20 Jahre andauernde Engagement des SAP-Mitbegründers Dietmar Hopp in Hoffenheim eine Herzensangelegenheit.

Nebenbei: Hopp ist auch kein Roman Abramowitsch. Während für den russischen Oligarchen der FC Chelsea lediglich ein Statussymbol wie seine 162-Meter-Megayacht ist, hat der Software-Entwickler früher selbst in Hoffenheim gekickt und sich später jener Region verpflichtet gesehen, in der er in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen ist.

Allerdings macht der Milliardär auch keinen Hehl daraus, dass seine Motive nicht ganz uneigennützig sind: „Es ist ein verdammt gutes Gefühl, Gutes zu tun“, sagte er einmal dem Magazin der Allianz AG. Seit Hopp 1995 zwei Drittel seiner SAP-Aktien in seine Stiftung gesteckt hat, sind rund 500 Millionen Euro gemeinnützigen Zwecken zugeflossen, vor allem in den Bereichen Medizin, Soziales und Bildung. In der Öffentlichkeit freilich werden vornehmlich jene 350 Millionen Euro thematisiert, die er bisher (inklusive des Stadion-Neubaus) in den Fußball gesteckt hat – mit dem Ziel, dass sich sein Verein irgendwann selbst trägt. Die Zeichen dafür stehen gut.

Hopp ist klug genug einzuräumen, bei seinem Engagement im Profifußball, dessen Schattenseiten ihm hinlänglich bekannt sind, würden ihm die Emotionen manchmal den Blick verstellen. Aber die Erfahrung, „wie viel Lebensfreude der Sport bringt“, motiviert den 75-Jährigen, sich weiter zu engagieren. Die Bundesliga sollte dies nicht länger als Drohung verstehen. Sondern anerkennen, dass der in der Szene lange zu Unrecht verteufelte Hopp ein Glücksfall ist. Nicht nur, aber auch für den Sport.