Warum es falsch ist, den "XY"-Beitrag nicht zu senden

"Aktenzeichen XY"-Moderator Rudi Cerne.
"Aktenzeichen XY"-Moderator Rudi Cerne.
Foto: ZDF
Einen Beitrag über eine Vergewaltigung und den schwarzen Verdächtigen nicht zu zeigen, löst kein Problem. Im Gegenteil. Ein Kommentar.

Essen. Die Bauchschmerzen der "Aktenzeichen XY"-Redaktion sind verständlich. Und doch ist die Entscheidung, den Beitrag über eine Vergewaltigung mit einem schwarzen Verdächtigen nicht zu senden, fahrlässig und falsch.

Doch der Reihe nach: Ende März 2014 berichtet die Dortmunder Polizei über die Vergewaltigung einer 21-jährigen Frau. Wenige Tage später veröffentlicht sie ein Fahndungsbild des Tatverdächtigen: ein schwarzer Mann. Bislang blieb die Fahndung erfolglos, deshalb nahm sich die "Aktenzeichen XY"-Redaktion des Falls an. Die Sendung ist eine Institution im deutschen Fernsehen. Seit 1967 berichtet sie über ungelöste Kriminalfälle.

"Wir wollen kein Öl ins Feuer gießen"

Jetzt, kurz vor der geplanten Ausstrahlung stoppt Chefredakteurin Ina-Maria Reize-Wildemann den geplanten Beitrag aus Sorge, er könne zur Stimmungsmache gegen Flüchtlinge benutzt werden. "Wir wollen kein Öl ins Feuer gießen und keine schlechte Stimmung befördern. Das haben diese Menschen nicht verdient", erklärt sie.

Das klingt erst einmal nachvollziehbar. Wo auch immer über Straftaten im Umfeld von Ausländern berichtet wird, sind rechte Hetzer mit ihren bekannten Parolen und Forderungen nicht weit. Dass sie den "Aktenzeichen XY"-Beitrag aufgegriffen hätten, ist mehr als wahrscheinlich.

Das ZDF macht sich angreifbar

Doch das ZDF macht sich mit seiner Entscheidung angreifbar. Es entsteht der Eindruck, die Redaktion übertünche die Realität mit einer politisch gewollten Version. Das ist Wasser auf die Mühlen derjenigen, die ohnehin über die "Lügenpresse" schimpfen und den Medien vorwerfen, für angebliche "Policital Correctness" ihre Objektivität über Bord zu werfen.

Verbrechen Zu Recht spricht die Dortmunder Polizei von einer "bedauerlichen Entscheidung". Das Opfer der Vergewaltigung wird das vermutlich ähnlich sehen. Die Hoffnung, durch die Ausstrahlung des Beitrags weitere Zeugen für die Tat zu finden, ist erst einmal dahin. Erst einmal, denn die Redaktion behält es sich offen, den Beitrag zu einem späteren Zeitpunkt zu zeigen, wenn die hasserfüllte Stimmung abgeklungen sei.

Rechte Hetzer beeinflussen die Berichterstattung

Bis dahin bleibt jedoch der Eindruck, die "Aktenzeichen XY"-Redaktion lasse sich von rechten Hetzern beeinflussen. Zwar nicht in deren Sinne, denn dann müsste ja noch viel mehr über die angeblich so kriminellen Ausländer berichtet werden, aber in umgekehrter Weise: "Wir berichten nicht, damit die sich nicht aufregen."

Das kann es nicht sein. So zu tun, als gäbe schwarze Straftäter nicht, hilft niemandem. Im Gegenteil: Es trägt dazu bei, das Klima weiter zu vergiften.

 
 

EURE FAVORITEN