VW hat eine Chance vertan

Vor wenigen Tagen sprach Hans-Dieter Pötsch noch von einer „existenzbedrohenden Krise“, in der sich der VW-Konzern befinde. Als er das sagte, war er noch Finanzchef. Seit gestern ist der 64-Jährige Aufsichtsratsvorsitzender und muss den Abgas-Betrugsskandal aufklären, der in seine Amtszeit als Vorstand fiel. Das wirft Fragen auf.

Ob Pötsch wirklich keine Mitverantwortung für die kriminelle Software-Manipulation an elf Millionen Diesel-Fahrzeugen trägt, ist noch nicht erwiesen.

Die sonst übliche „Abkühlphase“ für einen Manager, der in den Aufsichtsrat wechselt, überspringt VW einfach und lässt den neuen Chefkontrolleur nicht einmal von den Aktionären wählen, sondern vom Amtsgericht bestellen.

Volkswagen will und muss den Neuanfang hinbekommen, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Mit der Art und Weise, wie die Familien Piëch und Porsche Pötsch an die VW-Aufsichtsratsspitze hievten, haben sie bereits eine große Chance vertan. Ein Chefaufseher von außen und ohne innere Seilschaften würde den nötigen Kulturwandel in diesem Megakonzern besser verkörpern.

 
 

EURE FAVORITEN