Überhörte Erwartungshaltung

Man kann die Schlagzeilen schon erahnen. „Der Berg kreißte und gebar eine Maus.“ Oder: „Viel Lärm um nichts.“ Die Rede ist vom Treffen der führenden Industrienationen am Wochenende, vom G7 in Schloss Elmau. Und ja, es stimmt beides: Es drohen unverbindliche Beschlüsse, die in keinem Verhältnis zum Lärm stehen, geschweige denn zu den Kosten. Die werden bei weit über 100 Millionen Euro liegen – nur damit sieben Staats- und Regierungschefs ein Wellness-Wochenende im Schloss verbringen? So sieht es aus. Aber das wäre unpolitisch gedacht. Es muss möglich sein, dass sich die Regierungschefs in aller Ruhe abstimmen. Es muss neben der UNO, wo die Staaten quasi ihre Visitenkarte abgeben, einen informellen Rahmen geben, wo man sich außenpolitisch und ökonomisch verabredet. Sie haben eine enorme Schlagkraft, können viel bewegen; umso koordinierter, desto besser.

Das Problem sind die überhöhte Erwartungshaltung und der mediale Overkill. Das führt erstens zu der politischen Fallhöhe. Man kann fast nur Enttäuschung produzieren. Es zieht zweitens den Protest an. Was ist der Zweck von Protest? Öffentlichkeit. Und wo gibt es den besten Resonanzboden? Eben.

Nicht das Anliegen ist falsch, aber das Format. Für künftige Treffen sollte das Motto gelten: zurück in die Zukunft, zurück zum Kamingespräch. Ohne die Medien zu bedienen, ohne bedeutungsschwere Erklärungen. Ohne Tamtam.

Ist es dafür zu spät?

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