Schonfrist für Grube läuft ab

Wolfgang Mulke

Die Entwicklung bei der Deutschen Bahn ist beunruhigend. Der Schuldenstand wächst und wächst. Die Aussichten in wichtigen Geschäftsfeldern sind nicht sehr rosig. Im früher lukrativen Nahverkehr sorgen neue Ausschreibungsstrategien in den Ländern und der starke Wettbewerb für sinkende Erträge. Im Fernverkehr muss die Bahn mit Billigangeboten der Fernbusse mithalten. Beim Transport von Gütern läuft es ganz schlecht. Hier stimmt das Angebot der Bahn nicht.

Bahnchef Rüdiger Grube hat zwar im vergangenen Jahr eine Art Notbremse gezogen, den halben Vorstand entlassen und ein groß angelegtes Sanierungsprogramm eingeläutet. Doch Erfolge lassen noch auf sich warten. Die Pläne selbst erscheinen aussichtsreich. Die Bahn will mit mehr Qualität punkten. Dafür investiert das Unternehmen viele Milliarden.

Ob diese Rechnung aufgehen wird, ist ungewiss. Da ist auch die helfende Hand der Politik gefragt. Denn gegenüber Wettbewerbern wie den Fernbussen ist der Schienenverkehr benachteiligt. Der Bund könnte mit gleichen Bedingungen für alle faire Regeln schaffen. Das will die Bundesregierung derzeit aber nicht.

Wenn der Erfolg nicht bald absehbar wird, hat auch der Bahnchef selbst ein Problem. Mit der Sanierung hat er zu lange gewartet, um auf eine zweite Schonfrist hoffen zu dürfen. Die erste läuft gerade. Wenn ihm in diesem Jahr keine Trendwende gelingt, wird Rüdiger Grube den Job wohl los.