Politische Flucht nach vorn

Tobias Blasius

Die Landesregierung suchte mit ihrem „Flüchtlingsgipfel“ die politische Flucht nach vorn. Je mehr über die Situation nordrhein-westfälischer Asylbewerber im Allgemeinen diskutiert wird, desto schneller versenden sich Fragen nach dem konkreten Aufsichtsversagen der Behörden in den Landesunterkünften. Der Misshandlungsskandal mit Bildern von Schutzbefohlenen unter der Stiefelsohle privater Wachleute soll in eine neue Sachdebatte über die Verbesserung der „Willkommenskultur“ münden.

Das Kalkül, dem angeschlagenen Innenminister so Zeit zum Durchschnaufen zu verschaffen, scheint aufzugehen. Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und Hilfsorganisationen, die lange einsam für einen menschenwürdigen Umgang mit Asylbewerbern kämpften, sind einfach froh, dass nun überraschend viele Millionen fließen und die Hilfsbereitschaft parteiübergreifend gewachsen ist.