Niemals vergessen!

Es war triviale US-amerikanische Fernseh-Unterhaltung – und erschütterte die ganze Welt. Das Schicksal der deutsch-jüdischen Arzt-Familie Weiss zog Ende der 70er Jahre auch Millionen Menschen in unserem Land vor die Bildschirme. Es führte die Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten zum ersten Mal nach 1945 in bunten Bildern vor Augen und zeigte den Nachkriegsgeborenen im Land der Täter das ganze Ausmaß des Unvorstellbaren. Dem entsetzlichen Ende der Großfamilie Weiss konnte sich niemand entziehen, endlich diskutierten Großeltern mit ihren Enkeln, Lehrer mit ihren Schülern über die eigene Geschichte.

35 Jahre später, 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz, will sich eine große Mehrheit in Deutschland nicht mehr mit dem Grauen der NS-Mörder beschäftigen. 81 Prozent, so eine Umfrage der seriösen Bertelsmann-Stiftung, möchten die Geschichte der Judenverfolgung hinter sich lassen und sich den gegenwärtigen Problemen auf der Welt widmen. Von denen es in der Tat viele gibt, auch viele, die im Jahr 2015 mit Vernichtung, Vertreibung und unbegreiflichem Hass zu tun haben. Also, endlich den Schlussstrich ziehen unter dem düstersten Kapitel der Menschheitsgeschichte? Niemals!


Heute werden in ganz Europa, unvorstellbarer Weise auch in Deutschland, wieder zahlreiche jüdische Mitbürger diffamiert und mit dem Leben bedroht, ja einzelne sogar getötet. In vielen jüdischen Gemeinden ist wieder Angst eingezogen, beschützen Polizisten Synagogen. In politischen Gesprächsforen stehen jüdische Menschen mit dem Rücken zur Wand. Da wird von sogenannten Gutmenschen mal eben der israelisch-palästinensische Konflikt mit der Geschichte des jüdischen Volkes vermengt. So nach dem Motto: Ihr seht doch, wie Juden handeln. Perfide!


Man kann es nicht oft genug wiederholen: Kritik an der Politik der Regierung in Jerusalem muss selbstverständlich auch in deutschen Medien möglich sein und ist kein Antisemitismus. Doch die ewige Unterstützung für den Staat der Überlebenden steht auf einem ganz anderen Blatt. Sie gehört zur deutschen Staatsräson, wie es auch Kanzlerin Merkel zu Recht betont. Es ist ein großartiges Gefühl, dass die überwältigende Mehrheit der Juden in aller Welt dem heutigen Deutschland die Hand zur Versöhnung gereicht hat.

Nie zu vergessen, was in deutschem Namen geschehen ist, und zusammen dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder geschehen kann, muss für die Jungen in unserem Land verpflichtend bleiben. Auch 70 Jahre nach Auschwitz.

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