Nicht unten, aber auch noch nicht wieder oben

Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff stellt am 10.06.2014 in Berlin sein Buch "Ganz oben ganz unten" vor.
Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff stellt am 10.06.2014 in Berlin sein Buch "Ganz oben ganz unten" vor.
Foto: dpa
Der Staatsanwalt verzichtet auf einen Einspruch gegen den Freispruch für den ehemaligen Bundespräsidenten. Die Genugtuung darüber darf man dem Menschen Christian Wulff gönnen.

Für Christian Wulff ist’s eine Genugtuung. Der Staatsanwalt akzeptiert den Freispruch. Vom Vorwurf der Vorteilsannahme ist nichts übrig. Ganz gleich, wie man zu dem Politiker steht – dem Menschen Wulff kann man die Freude gönnen. Er ist tief gefallen, hat Amt und Frau verloren, war über Wochen auch äußerlich stark gezeichnet von der persönlichen Katastrophe. Hinfallen ist keine Schande. Aber man muss wieder aufstehen. Christian Wulff ist gerade dabei. Nächste Woche wird er 55. Da geht noch was. Man darf ihm Glück wünschen für das, was kommt. Das hohe Ruhegeld, das er von uns bekommt, hilft gewiss beim Start ins neue Leben.


Der Rücktritt war unausweichlich – auch wenn den Vorwürfen nun keine Verurteilung folgt. Er hat politische Fehler gemacht. Manche räumt er ein, andere nicht. Bei der Präsentation seines Buches „Ganz oben, ganz unten“ tat er gerade so, als gelte es nun, Fehlentwicklungen in den Medien, die ihn vorverurteilt hätten, zu korrigieren. Das ist Blödsinn. Seriöse Medien haben seriös berichtet, und die Klatschpresse hat das getan, was sie immer tut. Wulff hat lange mitgespielt, hat profitiert, hat die „Bild“-Zeitung gefüttert. Da sollte er jetzt nicht weinerlich sein.

„Ich wäre auch heute der Richtige im Amt“, hat er am Dienstag gesagt. Das ist falsch. Er wird es wohl ahnen.

 
 

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