Netz ohne Grenzen

Das Netz kennt keine Grenzen. Das kann die demokratische Meinungsbildung und damit die Demokratie selbst gefährden.

Desinformation, das Verbiegen der Wahrheit und die Verunglimpfung der politischen Konkurrenz gehören auch in der Demokratie seit jeher zum Einmaleins von Wahlkämpfen; mal in sehr robuster, mal in subtiler Art und Weise. Es gab in der Vergangenheit aber für den politischen Diskurs immer Korrektive, allen voran die Presse, selbst wenn sie – je nach politischer Ausrichtung – zu wütend oder zu milde einordnete, sortierte und geradebog. Das Ziel: Meinungsfindung anhand von Fakten ermöglichen.

Heute werden Meinungen immer häufiger in virtuellen Echokammern gebildet und verstärkt. Gefälschte Nachrichten, ob aus Spaß oder mit böser Absicht publiziert, werden tausendfach geteilt, dienen der Festigung von Weltbildern; Trolle betreiben Propaganda in sozialen Netzwerken und Internetforen; Hacker stellen geheime Dokumente ins Netz, um Menschen zu schaden, nicht um aufzuklären.

Das Netz kennt keine Grenzen. Keine physischen, keine moralischen, keine, die der journalistischen Ethik unterworfen sind. Die früheren Korrektive haben immer weniger überzeugende Eingriffsmöglichkeiten. Für Populisten ist das Internet eine großartige Chance, genauso wie für ausländische Mächte, die in das politische Gefüge in anderen Ländern eingreifen wollen.

Für die klassischen demokratischen Strukturen wird das zu einer Herausforderung, der sie sich dringend stellen müssen, weil ansonsten die demokratische Meinungsbildung und damit die Demokratie selbst gefährdet werden. Nebenbei: Die schier unendlichen Möglichkeiten des Internets nutzt natürlich nicht nur ein autokratisches Russland. Auch der Westen trägt seine Werte mit Manipulationen in die Welt.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel