Nato darf nicht das Werkzeug Erdogans sein

Joachim Karpa
Der Aufschrei des Entsetzens der Weltgemeinschaft über die Brutalität und die Rücksichtslosigkeit, mit der jüngst in Aleppo auf beiden Seiten gekämpft wird, verklingt so schnell wie die Meldung über neue Tote auftaucht. Wie gelähmt schaut die Welt dem Blutvergießen seit achtzehn Monaten zu. Die jüngste Eskalation an der türkisch-syrischen Grenze hat sie wieder aufgeschreckt.

Tote sind seit dem Ausbruch des Aufstandes gegen das Assad-Regime in Syrien in den Nachrichten an der Tagesordnung. Der Aufschrei des Entsetzens der Weltgemeinschaft über die Brutalität und die Rücksichtslosigkeit, mit der jüngst in Aleppo auf beiden Seiten gekämpft wird, verklingt so schnell wie die Meldung über neue Tote auftaucht. Wie gelähmt schaut die Welt dem Blutvergießen seit achtzehn Monaten zu. Die jüngste Eskalation an der türkisch-syrischen Grenze hat sie wieder aufgeschreckt. Und mit der Billigung des türkischen Parlaments für Einsätze des Militärs in Syrien bekommt die politische Entwicklung eine neue Qualität, grünes Licht, das es für Angriffe gegen Stützpunkte militanter Kurden im Norden des Irak längst gibt.

Jetzt wird im Westen viel über Deeskalation und Besonnenheit gesprochen. Auffällig bleibt, über die Kurden in der Region wird so gut wie kein Wort verloren. Seit den bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Syrien ist ihre Macht in Nordsyrien gewachsen. Die türkische Regierung unter Erdogan will nach eigenem Bekunden den Regimewechsel in Damaskus, will die Ablösung Assads, aber befürchtet an der Südgrenze des Landes das Entstehen einer neuen weiteren Region der Kurden.

Um hier ein Machtvakuum zu vermeiden, setzt Erdogan auf eine militärische Pufferzone in der syrisch-türkischen Grenzregion. Die militärischen Zwischenfälle, die ersten, die nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden haben, gehören zur blutigen Begleitmusik, um dieses Ziel zu erreichen. Nato und Uno sollen helfen. Die Nato-Verbündeten denken nicht daran, sich einzumischen. Zu Recht. Jeder Auslandseinsatz muss vom Ende aus betrachtet werden. Zum Werkzeug Erdogans dürfen sie sich nicht machen lassen.