Moralische Verpflichtung

Selten gab es in den vergangenen Jahrzehnten eine Zeit, in der so viele Konflikte, Krisen und Kriege gleichzeitig die Welt erschütterten. Afghanistan, Gaza, Irak, Libyen, Nigeria, Somalia, Syrien, Ukraine – die Gewalt breitet sich wie ein bösartiges Virus aus. Mit der zunehmenden Zahl der Konflikte schwellen die Flüchtlingsströme an. Sie werden gespeist von Menschen, die Angst um ihr Leben und das ihrer Lieben haben, die aus nackter Verzweiflung ihre Heimat hinter sich lassen.

Beschämend ist, dass in Deutschland Flüchtlinge zuallererst als Probleme wahrgenommen werden, als Faktoren, die die öffentliche Sicherheit und Ordnung stören und die zudem noch Geld kosten; dass Politiker Ängste vor Flüchtlingen schüren, die ansonsten gerne über die christliche Leitkultur schwadronieren. Ja, wir haben im vergangenen Jahr Zehntausende Flüchtlinge aufgenommen. Im Vergleich zu Ländern wie der Türkei, dem Libanon, Jordanien oder der Kurdenregion im Norden des Irak ist das aber lächerlich wenig.

Deutschland hat es sich allzu bequem eingerichtet in der Mitte Europas, umgeben von sogenannten sicheren Drittstaaten. Es ist aber unverantwortlich und unsolidarisch, die Länder an der europäischen Peripherie wie Italien oder Griechenland allein zu lassen; es ist auch unklug, weil diese überforderten Länder ohne eine Neuregelung Flüchtlinge zunehmend unkontrolliert nach Deutschland passieren lassen. Wir brauchen eine neue Flüchtlingspolitik, mehr europäische Solidarität und vor allem mehr Menschlichkeit. Ein durch die Globalisierung satt und reich gewordenes Deutschland kann es sich nicht nur leisten, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Es hat auch die moralische Pflicht dazu.

 
 

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