Militär den Spiegel vorhalten

Eine Ministerin im Einsatz, eine Vorwärtsverteidigerin. Bevor andere ihren Finger in die Wunde legen, macht es Ursula von der Leyen selbst.
Eine Ministerin im Einsatz, eine Vorwärtsverteidigerin. Bevor andere ihren Finger in die Wunde legen, macht es Ursula von der Leyen selbst.
Foto: Maurizio Gambarini/dpa
Die Missstände im Wehrbericht sind echt. Daraus auf das Gesamtbild der Bundeswehr zu schließen, wäre verzerrt. Dennoch ist es unerlässlich, dass sie durch das Spiegelkabinett marschiert. Es macht die Probleme krass deutlich.

Die Studie heißt „Truppenbild ohne Dame?“ Fast ein Jahr lang wurde sie unter Verschluss gehalten. Bis das Verteidigungsministerium am vergangenen Donnerstag für den nächsten Tag zu ihrer Vorstellung einlud. Seit gestern versteht man die Eile. Es stand fest, dass der Wehrbeauftragte anmahnen würde, die Daten zu veröffentlichen.

Zu besichtigen ist: eine Ministerin im Einsatz, eine Vorwärtsverteidigerin. Bevor andere ihren Finger in die Wunde legen, macht es Ursula von der Leyen selbst. Das gilt auch für das Problem Vereinbarkeit von Familie und Dienst. Das Muster wiederholt sich in der Debatte über einen stärkeren Einsatz in Afrika. Bevor es aussieht, als würde der Außenminister sie treiben, prescht von der Leyen vor. In der Kunst der Öffentlichkeitsoffensive ist sie nicht zu schlagen. Aber auch nur da.

Aus der Kirmes kennt man die so genannten Lachkabinette. Mal sieht einer extrem dünn aus, mal dick oder verbogen. Der Mensch ist real, der Gesamteindruck nicht. So ähnlich verhält es sich mit dem Wehrbericht. Die Missstände sind echt. Daraus auf das Gesamtbild der Bundeswehr zu schließen, wäre verzerrt. Dennoch ist es unerlässlich, dass sie durch das Spiegelkabinett marschiert. Es macht die Probleme krass deutlich.

Es ist genau so, wie es Thomas de Maizière zum Abschied gesagt hat. In der Bundeswehr ist „nicht alles in Ordnung“. Von der Leyens Aufgabe wird es sein, eine bessere Armee zu hinterlassen, als sie vorgefunden hat.

 
 

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