Milchsteuer wäre ein Irrweg

Wenn ausgerechnet ein Konzernlenker die Einführung einer Steuer fordert, ist das bemerkenswert. In der Regel klagt die Wirtschaft darüber, dass der Staat überall die Hand aufhält. Nun kommt der Lidl-Boss also mit einer Sonderabgabe für die Milchbauern um die Ecke.

Der ungewöhnliche Vorschlag zeigt, dass die Existenzkrise der Landwirte den sonst so berechnenden Handel nicht kalt lässt. Dabei sorgen die Discounter mit ihrem Preisdruck auf Erzeuger von Lebensmitteln dafür, dass diese kaum noch etwas verdienen können.

Die Erwartungen an den Milchgipfel sind hoch. Denn die Verantwortung für den Preisverfall tragen alle Beteiligten: Die Bauern, die in der Hoffnung auf dauerhaft hohe Nachfrage aus Russland und China ihre Ställe massiv vergrößerten; der Handel, der ihnen im Schnitt nur noch 20 Cent pro Liter zahlt; und die Verbraucher, die auf Billigangebote schielen. Eine Sondersteuer wäre sicher ein Irrweg. Helfen könnte eine Kampagne für höherwertigere Milch, wenn auch wirklich gewährleistet ist, dass der Mehrpreis auch bei den Bauern ankommt.

 
 

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