Merkel ist Merkel ist Merkel

Von einer „Merkel-Euphorie“ in den Umfragen oder in den eigenen Reihen sei derzeit wenig zu spüren, hat gerade ein deutsches Nachrichtenmagazin die politische Gesamtsituation beschrieben – und so getan, als sei dies überraschend und als komme es darauf wenige Monate vor der geplanten Wiederwahl Merkels als CDU-Vorsitzende überhaupt an. Dabei passen „Merkel“ und „Euphorie“ in etwa so gut zusammenpassen wie „Seehofer“ und „Solidarität“, auch wenn diese Wortzusammensetzung aufgrund der Alliteration besser klingen mag. Seehofer-Solidarität. Die wird Merkel nicht mehr erleben, und die wird sie auch nicht benötigen. Denn es fehlt die seriöse Alternative zu ihr als Parteichefin der CDU und Kanzlerkandidatin der Union.

Natürlich herrscht keine Euphorie. Wie auch? Der Brexit, die Anschläge in Deutschland und Frankreich, die sich mal hassenden und dann wieder gegenseitig verehrenden Despoten aus Ankara und Moskau, die sich fortsetzende humanitäre Katastrophe in Syrien – all das hebt die Stimmung nicht. Den Flüchtlingen in Deutschland eine Perspektive zu bieten, sie zu integrieren und radikale Auswüchse zu unterbinden, fordert Staat und Gesellschaft in einer Weise heraus wie nichts seit der Wiedervereinigung. Ist es da so falsch, wenn Angela Merkel Angela Merkel bleibt? Mit ihrer Besonnenheit und ihrem Pragmatismus hat sie Deutschland schon einmal durch eine existenzielle Krise geführt: die Finanz- und Eurokrise. Kaum ein Land in Europa steht heute wirtschaftlich so gut da. Euphorie herrschte deswegen zu keiner Zeit. Aber eine Zufriedenheit darüber, dass man sich über die Merkel-Raute als spektakulärste Geste einer Regierungschefin lustig machen konnte, die niemandem Angst einflöst, aber weltweit Respekt genießt.

Zu Merkels Unaufgeregtheit gehört auch, nicht wegzulaufen, wenn der Wind von vorne kommt. Deshalb bleibt sie sich selbst und ihrem Wir-schaffen-Das treu, auch wenn Seehofer und viele (Ex-) Unionsanhänger schäumen. Und deshalb wird sie auch Kanzlerin bleiben und die zahlreichen Krisen managen wollen. Euphorisch stimmt das niemanden. Muss auch nicht.

 
 

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