Kremlchef sprengt den Rahmen

Stefan Scholl

Wladimir Putins vorzeitige Abreise aus Brisbane ist nicht gerade eine Geste des Respekts den anderen Staats- und Regierungschefs gegenüber – eher eine Geste der Selbsteinschätzung: Russlands politischer Führer agiert, wenn nicht weit oberhalb des weltpolitischen Alltagsgeschäfts, so doch zumindest außerhalb dessen Rahmens.

Diese Positionsbestimmung leitet sich womöglich aus Putins schon jahrzehntelanger Überrolle in der russischen Innenpolitik her. Außerdem aus seinem erklärten Ziel, sich als „russischer Bär“ die gleichen Rechte herauszunehmen wie der Rivale Amerika.

Die logische Konsequenz: Der Präsident der Russischen Föderation macht, was er will. Nicht ausgeschlossen, dass das internationale Publikum noch ganz andere Alleingänge Wladimir Putins erleben wird, als seinen gestrigen Aufbruch ohne Frühstück.