Kompromiss bei Kaiser's Tengelmann – Bangen in NRW hält an

Das Bangen für die 4000 Mitarbeiter an Rhein und Ruhr geht weiter.
Das Bangen für die 4000 Mitarbeiter an Rhein und Ruhr geht weiter.
Foto: Roland Weihrauch
Altkanzler Schröder hat geschafft, was ausweglos schien: einen Kompromiss im Tengelmann-Poker. Doch in NRW wird weiter gebangt. Ein Kommentar.

Essen.. Eine Woche hat Altkanzler Gerhard Schröder gebraucht, um einen Kompromiss im seit zwei Jahren schwelenden Supermarkt-Streit zu finden. Dem Basta-Kanzler ist offenbar geglückt, was Handelskonzernen, Kartellwächtern und Bundeswirtschaftsminister in einem quälenden Prozess nicht gelang: den erbitterten Streit zu schlichten und Arbeitsplätze zu retten. Inhalte des Interessenausgleichs sind noch nicht bekannt. Minister Sigmar Gabriel und Verdi-Chef Brsirske sehen die mehr als 15.000 Stellen bei Kaiser's Tengelmann aber als gerettet an. Der Deal scheint gelungen.

Nun teilen sich die Rivalen Edeka und Rewe die Kaiser's Tengelmann-Filialen offenbar doch untereinander auf. Edeka greift in Bayern, Rewe in Berlin zu. Beide Regionen gelten als Filetstücke. Doch was wird aus den gut 100 Märkten in NRW, dem Dienstleistungszentrum Mülheim und dem Logistikstandort Viersen? Der Ministererlaubnis und dem Tarifvertrag zufolge muss Edeka alle Einheiten fortführen. Das Bangen für die 4000 Mitarbeiter an Rhein und Ruhr geht also weiter. Bis zum 11. November will Rewe seine Klage gegen die Ministererlaubnis zurückziehen.

Edeka und Rewe als Gewinner in der Übernahmeschlacht

Kommt alles so, wie es Bsirske und Gabriel am Montag gemeinsam verkündeten, wird es am Ende nur Gewinner geben. Allein die Verbraucher müssen hinnehmen, dass sie mit dem Verschwinden von Kaiser's Tengelmann noch weniger Auswahlmöglichkeiten beim Einkauf haben werden. Die beiden Lebensmittel-Riesen Edeka und Rewe werden noch ein kleines Stück größer. Sie sind die großen Gewinner dieses Pokers. Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub kommt indes mit einem blauen Auge davon. Schien es zunächst, dass er sich verzockt hat, kann er nun doch noch eine Lösung vorweisen – ausgerechnet mit Hilfes des Grünen Bsirske und der Roten Schröder und Gabriel. Haub hat bislang die Wahlkämpfe von Angela Merkel (CDU) finanziell unterstützt.

Die größten Sieger aber sind Verdi-Chef Frank Bsirske und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Als Stimme der Vernunft haben sie diese zerstrittenen Handelsbosse eingefangen und beharrlich zu einer Lösung gedrängt. Gabriel hat sich als Arbeiterführer profiliert. Bisirske hat den SPD-Chef mit seinem außergewöhnlichen Lob quasi als Kanzlerkandidaten empfohlen.

Am Ende ist dieser Supermarkt-Krimi auch eine große Polit-Show. Gabriel überreicht Schröder einen Euro als Honorar. Ob von diesem historischen Supermarkt-Deal am Ende mehr übrig bleibt als die medienwirksamen Auftritte von Politikern, Gewerkschaftern und Handelsbossen, wird die Zukunft zeigen.

 
 

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