Kim spielt die Atomkarte

Egbert Nießler

Hat Diktator Kim III. in Nordkorea nun tatsächlich eine Wasserstoffbombe zur Detonation gebracht – wie er selbst behauptet, war es „nur“ eine gewöhnliche Atombombe? Wahrheiten sind aus dem abgeschotteten Land in Fernost selten zu bekommen. Sicher ist, dass die Familie Kim die Bombe lieben lernte, als um sie herum in den Jahren 1989/90 das sozialistische Weltsystem implodierte und damit der Schutz, den dieses bot, dahin schwand. Isolierter ist heute kein anderer Staat auf dieser Erde. Wer da international noch ernstgenommen werden will, braucht Druckmittel.

Das Atomtheater ist keine unmittelbare Gefahr für den Weltfrieden, auch nicht, wenn man Kim und den Seinen allerhand zutrauen kann. Zur Selbstvernichtung haben sie aber bisher nicht geneigt, eher zur Selbsterhaltung. Am meisten wäre Kim durch Nichtbeachtung gestraft. Das ist aber im internationalen Kontext unmöglich, wenn das Wort Atombombe fällt. Das weiß er. Und diese Karte reizt er aus.