Kein Raum für Ausflüchte

Tobias Blasius

Die Macht der Bilder lässt kein Beschönigen des Misshandlungsskandals in den NRW-Flüchtlingsheimen zu. Die zur Schau gestellte Erniedrigung von Menschen, die eigentlich bei uns Schutz suchen, bietet wenig Raum für politische Ausflüchte. Stattdessen wird von der Ministerpräsidentin bis zum Regierungspräsidenten eine Erklärung angeboten, die einen nicht weniger fassungslos macht: Die Krisenherde der Welt haben die Flüchtlingszahlen in Nordrhein-Westfalen derart in die Höhe schnellen lassen, dass angesichts der logistischen Herausforderung „Standards“ bei Unterkunft und Betreuung der Betroffenen nicht mehr kontrolliert werden konnten.

Unfein übersetzt bedeutet dies: Man musste Schutzbefohlene vorbestraften Schlägern überlassen, weil die Not groß ist und die Arbeit ja irgendwer erledigen muss. Kontrollversagen als Fluch der Verhältnisse? Die stark gestiegenen Flüchtlingszahlen sind fraglos eine Belastungsprobe für die Landesbehörden. Zumal der Bund nicht nachkommt mit der Bearbeitung von Asylanträgen und in den Kommunen niemand ein Flüchtlingsheim als neuen Nachbarn wünscht. Ohne Improvisationskunst und private Dienstleister würde das System der Erstaufnahme vollends kollabieren. Bei der menschenunwürdigen Unterbringung von Flüchtlingen darf es aber keine Abstriche geben.