Im Schatten von Gewalt und Terror

Andreas Tyrock zu Politik und Sport

Große Sportereignisse wie Olympische Spiele oder Fußball-Welt- und Europameisterschaften sollen das friedliche Miteinander der Nationen dokumentieren, sollen ein Wettbewerb von Athleten sein, fernab von gesellschaftlichen, politischen oder militärischen Konflikten. Soweit die Theorie. Doch die Realität war schon immer eine andere.

Die massive politische Einflussnahme begann spätestens 1936 bei Olympia in Berlin, sie galt ebenso für die Olympia-Boykotte von Moskau und Los Angeles nach dem russischen Einmarsch in Afghanistan Anfang der 80er-Jahre oder für die Terror-Spiele von München 1972. Auch jüngere Olympische Spiele wie in Peking oder in Sotschi sowie die bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaften in Russland und Katar haben vor allem machtpolitische und finanzielle Hintergründe.

Sportliche Großereignisse sind stets ein Spiegelbild der jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Lage. Deshalb will bei der Fußball-EM in Frankreich auch keine echte Freude aufkommen. Das Turnier ist überschattet von Gewalt, von Angst, von Respekt- und Rücksichtslosigkeit. Von Schlägern, die das Turnier für ihre Brutalität nutzen, denen die Anwesenheit von Sicherheitskräften oder Strafandrohungen egal sind. Dass sich die russischen Hooligans gestern beim Spiel ihres Teams zurückhielten, ändert nichts am Phänomen extremer Gewaltbereitschaft.

Auch die permanente Terrorgefahr belastet die EM-Partien. Die Attacken folgen einer neuen Logik und sind deshalb umso perfider. Nicht organisierte, zentrale Anschläge müssen verhindert werden, sondern hinterhältige, radikalisierte Einzeltäter üben ihre Verbrechen aus. Wenn ein Polizist und seine Frau in ihrer Freizeit aus politischen Gründen ermordet werden, hat dies eine massive öffentliche Wirkung. Und: Wie will man diesen Wahnsinn verhindern? Die Einzeltaten sind wie ein schleichendes Gift. Sie lähmen die Europameisterschaft, nehmen ihr Leichtigkeit und Faszination. Dennoch darf sich die freie, aufgeklärte Gesellschaft davon nicht einschüchtern lassen. Wir alle wissen das, wir alle sagen das, wir alle wollen das. Doch es ist unglaublich schwierig.