Horst Seehofers gezielter Angriff auf die Kanzlerin

So richtig gefreut hat sich der bayerische Ministerpräsident und CSU-Parteivorsitzende Horst Seehofer nicht auf die Kanzlerin in Kreuth.
So richtig gefreut hat sich der bayerische Ministerpräsident und CSU-Parteivorsitzende Horst Seehofer nicht auf die Kanzlerin in Kreuth.
Foto: dpa
CSU-Chef Seehofer attackiert die Kanzlerin in einem Interview frontal. Der Bruch zwischen den beiden dürfte nicht mehr zu kitten sein.

Berlin.. Horst Seehofer hat Angela Merkel erneut abgewatscht. Diesmal nicht, wie vor ein paar Wochen beim CSU-Parteitag, im Beisein der Kanzlerin – dafür aber vor einem Millionenpublikum via Fernseh-Interview. Was die Sache eher noch schlimmer macht.

„Der Tag war enttäuschend“, urteilte der CSU-Chef in den ARD-Tagesthemen knapp aus dem spätabendlichen Wildbad Kreuth, wo die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende kurz zuvor mit den Christsozialen aus Bayern über die Flüchtlingspolitik diskutiert hatte. In der Runde habe es „keine Spur des Entgegenkommens“ seitens der Regierungschefin gegeben, kritisierte Seehofer von oben herab. Das erinnerte an den schon fast legendären Parteitags-Auftritt, als Seehofer die Gastrednerin Merkel wie eine Schülerin schulmeisterte. Nach dem Abend von Kreuth ist das Zerwürfnis zwischen den beiden Parteivorsitzenden tiefer denn je.

Koalitionskrise nur noch einen Schritt entfernt

Seehofer will eine Obergrenze für Flüchtlinge in Deutschland, Merkel hält nichts von der Idee. Doch diese Sachfrage wird in der Union immer mehr zu einer Machtfrage. Wenn Seehofer nun via TV raunt, man gehe nach dem Auftritt Merkels in Kreuth „politisch auf schwierige Wochen und Monate zu“, dann ist eine veritable Koalitionskrise nur noch einen Schritt entfernt – wenn überhaupt.

Seehofer spürt Rückenwind. Etwa aus Österreich, wo die Regierung am Mittwoch eine Obergrenze für die Neuaufnahme von Flüchtlinge beschlossen hat. Aber auch aus der Bevölkerung, wo laut Umfragen der Rückhalt für die Kanzlerin mehr und mehr schwindet. Immer offensiver fordert Seehofer auch für Deutschland „eine Wende in der Flüchtlingspolitik“.

Will Seehofer den Bruch mit Merkel?

Dass er dabei eine geschwächte Kanzlerin frontal angreift und weiter schwächt, ist offenbar das Kalkül des Bayern. Man gewinnt zunehmend den Eindruck, Seehofer steuert gezielt auf den Bruch mit Merkel zu. Dass die Koalition unter diesen Voraussetzungen schnell zu einer umfassenden Lösung des drängenden Flüchtlingsproblems gelangen könnte, ist seit Seehofers Auftritt unwahrscheinlicher denn je.

 
 

EURE FAVORITEN